Balljunge spielt neuer an der seitenlinie: der 40-jährige kassiert 5 gegentore – und ein körnchen respektlosigkeit
Paris – 4:5, ein Abend wie ein Achterbahnfahrplan, und dann das: Manuel Neuer, 40, Weltmeister, 124 Länderspiele, bittet um den Ball – und ein Jugendlicher schiebt ihn weg. Die Szene dauert keine drei Sekunden, reicht aber, um das Internet zum Kochen zu bringen.
Amazon-Prime-Kamera hinter dem Tor, 79. Minute oder vielleicht 82, gespielt wird ohnehin durchgehend. Neuer lehnt sich über die Bande, wedelt mit der Hand, ein kurzer Blickwechsel. Statt dem Reflex, sofort zuzuspielen, zieht der Balljunge den Ball mit der Sohle ein Stück zurück. Kein Grinsen, keine Provokation, nur ein kleines Nichts – und genau das macht es so brisant.
Neuers reaktion: ein kurzer moment des irritierens
Die ARMSPREIZ-GESTE des Kapitäns spricht Bände: „Was soll das?“ Dann dreht er sich ab, fasst sich an die Hüfte, schüttelt lächelnd den Kopf. Kein Wort, keine Ermahnung. Profi bis zur letzten Sekunde. „Ich habe es gar nicht richtig mitbekommen, ich wollte nur schnell weiterspielen“, sagte er später, aber die Bilder lügen nicht – er hat es gesehen. Und gespürt.
Die Zahlen des Abends sind gnadenlos: fünf Schüsse auf sein Tor, fünf Mal Zappeln. Keine Parade, keine Chance. „Wenn du bei Neuer keinen Ball hältst, bist du selbst schuld“, lautete jahrelang die Devise, doch gegen PSG war er zum Zuschauer degradiert. Dennoch: Nach dem 2:5 schrie er seine Vorderleute zusammen, stocherte Jude Bellingham in die Rippen, schubste Dayot Upamecano nach vorn. Die beiden späten Treffer zum 4:5 – seine Stimme war drin.

Balljunge, social media und die debatte über respekt
Innerhalb von Minuten kursierte das Clip auf Twitter, TikTok, Instagram. Die einen feiern den Jungen als „Helden des kleinen Mannes“, die anderen fordern ein Stadionverbot. Der Verein wird ihn nicht bestrafen; schließlich ist er Jugendspieler des PSG-Nachwuchszentrums in Bondy. „Er hat keine Beleidigung geäußert, keine Geste gemacht“, heißt es intern. Trotzdem: Die Aktion steht exemplarisch für eine Gala, in der Bayern alles versuchten – und trotzdem hintenherum ausgelacht wurden.
Die Rückspiel-Woche beginnt jetzt. Münchens Defensive muss umkrempelt werden, Kimmich droht Gelb-Sperre, Musiala laboriert an der Hüfte. Und irgendwo zwischen Taktik-Board und Video-Analyse wird auch diese kleine Nebenhandlung landen. „So etwas hätte ich auch gemacht, wenn ich 14 wäre und der Star vor mir steht“, scherzte Thomas Müller, „aber nur, wenn es 5:2 steht.“
Die Wahrheit: Ein 40-Jähriger, der alles gewonnen hat, wurde an einem Abend, an dem ihn keine Parade retten konnte, von einem Teenager noch zusätzlich trollt. Wenn das keine Motivation für das Rückspiel ist, weiß ich es auch nicht. Dann holt Neuer sich die Revanche – und diesmal nicht mit Gesten, sondern mit Paraden. Der Countdown läuft.
