Attwell zurück in stuttgart: der var, der den dfb rauswarf, pfeift jetzt ghana
Stuttgart – Der Name Stuart Attwell schlägt wieder ein wie eine alte Wunde. Genau 611 Tage nach dem EM-Viertelfinal-Desaster gegen Spanien steht derselbe Engländer am Montagabort um 20.45 Uhr in derselben Arena, nun aber mit Pfeife statt mit Headset. Der Schiedsrichter, der damals als VAR das Handspiel von Marc Cucurella an der grünen Wand überstand, leitet das Länderspiel Deutschland gegen Ghana – und weckt böse Erinnerungen.
Die Szene ist eingraviert: 106. Minute, Musialas Schuss aus fünf Metern, Cucurellas Arm abgespreizt, Ball an der Hand, Elfmeter? Fehlanzeige. Attwell schwieg in der Leitung, Anthony Taylor ließ laufen. Julian Nagelsmann tobte: „Wahnsinn. Das kann ich nicht akzeptieren.“ Michael Ballack wetterte im ARD-Studio: „Ein klareres Handspiel gibt es nicht mehr im Fußball.“ Die FIFA hielt sich bedeckt, die Regelbuch-Juristen zogen ihre Kreidekreuze: zu kurze Distanz, kein Zeit für Reaktion, kein Review nötig. Für den DFB endete die Heim-EM im eigenen Stadion mit dem Tritt ins Leere.

Ein mann, zwei gesichter: warum gerade attwell?
Die DFB-Delegation wird mit angehaltenem Atem in den Katakomben sitzen. Attwell ist kein Unbekannter im deutschen Fußball, nur eben kein beliebter. 2021 assistierte er Michael Oliver beim Achtelfinale gegen Dänemark – und dort piff der Deutsche tatsächlich Handelfmeter für die Mannschaft von Löw. Dieselbe Konstellation, anderer Ausgang. Die Ironie: Der Engländer galt als VAR, der deutsche Interessen bediente, bevor er sie einen Sommer später zerstörte.
Seit 2009 auf der FIFA-Liste, hat der 43-Jährige erst einmal eine deutsche U21 und einmal die U19 geleitet – jeweils Niederlagen. Bundestrainer Nagelsmann wird sich vor dem Anpfiff die Kälte der Hand geben, doch hinter den Kulissen arbeitet der Verband mit Statistiken und Psychologen. Die Botschaft lautet: neutral, aber nicht naiv.
Für die Fans in Stuttgart wird die Partie gegen Ghana mehr als ein Test. Sie ist ein Seelenbild: Entweder die Elf befreit sich vom Attwell-Fluch – oder der Mann mit der Pfeife schreibt das nächste Kapitel einer deutschen Fußball-Tragödie. Anpfiff 20.45 Uhr, live im Ersten. Die Uhr tickt, die Wunde klafft.
