Ambrosini packt aus: so emotional erlebte er gattusos sieg in bergamo
Massimo Ambrosini saß nicht einfach nur im Stadion. Er zitterte, jubelte, würgte Tränen hinunter – und das alles wegen Rino Gattuso. Der ehemalige Milan-Kapitän fuhr nach Bergamo, um seinen „brüderlichen“ Freund beim wichtigsten Spiel seiner Trainerkarriere zu unterstützen. „Ich habe mich gefühlt wie vor einem Champions-League-Finale“, sagt er im Gespräch mit TSV Pelkum Sportwelt.
Warum bergamo mehr war als nur ein play-off
Für die meisten Italiener war das 3:0 gegen Nordirland der erste Schritt Richtung Katar. Für Ambrosini war es ein Doppelpack: „Zuerst kam der Stolz auf die Nazionale, dann der auf meinen Kumpel.“ Die beiden kennen sich seit dem U-21-Treffen 1997. Damals quatschte Gattuso über den AC Mailand, Ambrosini über Schottland. Seitdem hält ihre Freundschaft auch durch Tiefschläge. „Wenn Rino rot sieht, hört er trotzdem zu. Er ist stur, aber nicht taub“, lacht der Mittelfeld-Rentner.
Die Szene, die ihm die Kehle zuschnürte: Sandro Tonali trifft zum 1:0. „Da platzte der Knoten. Ich hab Rino auf der Bank gesehen – er hat die Faust geballt, aber keine Sekunde die Kontrolle verloren.“ Auch nach Moise Keans Doppelpack blieb Ambrosini in Fan-Pose, „weil ich wusste: Jetzt ist sein Plan aufgegangen“.

„Er muss endlich als taktiker wahrgenommen werden“
Die Klischees nerven ihn: „Gattuso ist nicht nur Motivationsmaschine und Sparring-Partner. Er schaut Videos bis drei Uhr morgens, er findet Lücken, wo andere nur Sprintstatistiken sehen.“ Ambrosini fordert Respekt für die „analytische Seite“ seines Freundes. „Carletto Ancelotti war großartig im Umgang mit Stars, Lippi hatte den Blick fürs Ganze. Rino mischt beides – nur mit mehr Biss.“
Jetzt wartet Bosnien. Ambrosini kennt die Prophezeiungen: eng, ungemütlich, Tabellen-Sperrgebiet. „Die Druck-Nummer zieht nicht mehr. Die Jungs haben gelernt, dass Zenica kein Hexenkessel, sondern eine Bühne sein kann.“ Seine Mission bleibt klar: „Wenn wir qualifiziert sind, warten ich und ein kühler Prosecco in den Bergen. Rino hat versprochen zu kommen – und er hält Wort. Das weiß ich seit 25 Jahren.“
Die Entscheidung fällt am Dienstag. Um 20.45 Uhr wird nicht nur ein Ticket nach Katar vergeben, sondern auch eine Freundschaft auf die Goldwaage gelegt. Ambrosini jedenfalls hat seinen Koffer schon gepackt – für Zenica und für die anschließende Bergtour. „Wenn wir das Ding machen, ziehe ich meine alte Trikot-Nummer 23 an und wandere mit Gattuso bis der Prosecco alle ist. Mehr Motivation geht nicht.“
