Altach-skandal: heimliche videos erschüttern frauenfußball – urteil empört
Ein Familienvater, beliebt, immer da, half sogar nach dem Training beim Umbaun der Kabine. Was niemand wusste: Hinter dem Lächeln des ehemaligen Sportchefs des SCR Altach lauerte ein systematischer Voyeur. Seit 2018 platzierte der Schweizer heimlich Smartphones in der Umkleide, filmte Spielerinnen – auch Minderjährige – beim Duschen, Umziehen, Dehnen. 30 Frauen sind auf den Videos identifiziert, darunter deutsche Torfrauen wie Charlotte Voll und Sarah-Lisa Dübel. Die Bilder gingen bis Herbst 2025 durchs Netz der Polizei, die eigentlich nach Kinderpornografie suchte – und stieß stattdessen auf die private Bildergalerie eines Vereinsfunktionärs.
Das urteil: sieben monate auf bewährung, 1.200 euro strafe
Im Februar 2026 stand der Beschuldigte vor dem Landesgericht Feldkirch, geständig, aber entschuldigend. Die Richterin verhängte das Minimum: keine Haft, nur Bewährung. 15 der 30 Frauen erhalten 625 Euro Entschädigung – die anderen nicht, weil ihre Videos vor 2021 entstanden und damit nicht von der verschärften Novelle erfasst. Für Lena Rädler ist das „ein Schlag ins Gesicht“. Die Allgäuerin spielte zwei Jahre in Altach, kennt die Gänge, die Duschen, die Angst. Sie sagt: „Wer so viele Menschen verletzt, darf nicht mit einem Klapps auf die Finger davonkommen.“
Der Verein reagierte mit Betretungsverbot und Schweigen. Kein Anruf, keine persönliche Entschuldigung, nur eine Mail mit Psychologennummern. Viele Betroffene wollten aus ihren vom Klub gemieteten Wohnungen ausziehen – der zuständige Mitarbeiter war „nicht erreichbar“. Spielerinnen durchsuchten Schlafzimmer nach versteckten Kameras, andere trauten sich nachts nicht mehr aufs Klo. Claudia Reidick, Sportpsychologin des 1. FC Kaiserslautern, beobachtet klassische Traumafolgen: „Das Grundvertrauen ist weg, das Team kippt in Täter-Opfer-Umkehr.“

Was wirklich zurückbleibt: misstrauen statt megaphon
Altach kündigt ein Schutzkonzept an: zwei Beauftragte, weibliche Trainer, neue Schlösser ohne Schlüssellöcher. Doch die Spielerinnen wissen: Technik allein schützt nicht, wenn Hierarchie und Naivität bleiben. Der SC Freiburg etwa verbietet schon am Saisonstart Mobilfotos im Kabinentrakt – ein Satz, der Sarah-Lisa Dübel erst verwirrte, nun beruhigt. Charlotte Voll fordert Jugendschutz-Standards auch für Profis: „Wenn eine 17-Jährige Bundesliga spielt, muss sie dieselben Sicherheitsrechte haben wie in der U17.“
Die Aufnahmen sollen laut Verteidigung gelöscht sein, Kopien gebe es keine. Doch wer garantiert, dass kein Backup irgendwo in einer Cloud schlummert? Die Angst, eines Tages auf Porno-Portalen zu landen, begleitet viele Frauen noch heute. Reidick warnt: „Solange der Sport Frauenkörper billiger bewertet als Männerleistung, wird solches Leid weiter marginalisiert.“ Das Urteil ist rechtskräftig, die Revierklatsch-Debatte verstummt – doch in jener Kabine, in der einst verschämtes Lachen nach dem Training herrschte, bleibt ein metallener Nachgeschmack. Die Spielerinnen haben gelernt: Vertrauen ist kein Fundament, sondern eine Brücke – und manche tragen sie in den Ruin.
