Sc freiburg sperrt trainer aus der kabine: so streng schützt der club seine fußballerinnen

Der SC Freiburg schickt seine Trainer vor die Tür – zumindest, wenn die Frauen und Mädchen sich umziehen. Kein männlicher Betreuer darf während der Trainingszeiten in den Kabinentrakt, nur Athletikcoachs und Physiotherapeuten dürfen rein, wenn sie in durchsichtigen Zeiten und mit offenen Türen arbeiten. Die Maßnahme ist Teil eines Kinderschutzkonzepts, das im deutschen Frauenfußball Maßstäbe setzt.

Warum gerade jetzt die alarmglocken schrillen

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Erst im März deckte der SWR auf, dass ein Funktionär des österreichischen Bundesligisten SCR Altach jahrelang heimlich Spielerinnen in der Kabine filmte – auch deutsche Talente waren betroffen. Die Bilder gingen durch die Medien, der Schock saß tief. Seitdem fragen sich Vereine, Verbände und Eltern: Wie sicher sind unsere Nachwuchskräfte wirklich?

Freiburg liefert eine Antwort, die weit über das hinausgeht, was bisher üblich war. Der Club betreibt eines der ersten vom DFB anerkannten Leistungszentren für Mädchen und hat vier Teams in der Saison 2025/26 im Leistungsbereich. Dort gilt ein Regelwerk, das Privatsphäre mit kompromissloser Konsequenz schützt: Keine Fotos, keine Videos, keine Tonaufnahmen im Kabinenbereich – weder für interne Dokumentation noch für Social Media. Externe Handwerker bekommen den Schlüssel nur an freien Tagen, und selbst dann begleitet sie ein Club-Mitarbeiter.

Testpflicht alle 24 monate und psychologen auf abruf

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Wer mit den Juniorinnen arbeitet, muss alle zwei Jahre ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen – egal, ob Cheftrainer oder Praktikant. Verweigern heißt raus. Zusätzlich gibt es Pflichtschulungen: Medienschutz, soziale Netzwerke, Umgang mit Fans, mentale Gesundheit. Ein externes Ombudsteam sammelt Beschwerden anonym, Sportpsychologen stehen für Einzelgespräche bereit. Das kostet Geld, bindet Ressourcen – und ist laut Sportdirektor Jochen Saier „nicht verhandelbar“.

Die Spielerinnen selbst spüren den Unterschied. „Ich habe in anderen Clubs erlebt, wie Trainer einfach reingekommen sind, während wir uns umziehen. Hier schlagen wir die Tür zu und wissen: Keiner stürzt herein“, sagt Lisa Brenneisen, 17, aus der U17. Sie findet die Regel „komisch am Anfang, aber richtig wichtig“. Ihre Eltern schätzten die Transparenz: „Endlich weiß ich, dass meine Tochter nicht nur technisch, sondern auch menschlich gut aufgehoben ist“, sagt Mutter Sandra.

Dfb und liga schauen auf breisgau

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Andere Vereine ziehen nach. Bayer Leverkusen plant ein vergleichbares Konzept, Bayern München prüft stichprobenartige Kontrollen. Beim DFB kursiert ein internes Papier mit dem Titel „Freiburger Modell“, das man in Frankfurt für „praxisreif und übertragbar“ hält. Liga-Chef Donata Hopfen ließ verlauten: „Wir brauchen keine neuen Skandale, um zu handeln.“

Dennoch bleibt Widerstand. Kleine Vereine klagen über Kosten, konservative Trainer halten die Maßnahmen für „übertrieben“. Aber die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit Einführung des Konzepts vor drei Jahren ist die Zahl der gemeldeten Übergriffe in Freiburg auf null gesunken. In anderen Regionalliga-Standorten gibt es weiterhin Vorfälle. Der Vergleich lügt nicht.

Am Samstag empfängt Freiburgs Frauenbundesliga-Team den VfL Wolfsburg. Bevor die Spielerinnen auflaufen, wird die Kabinentür geschlossen – und außen vor bleibt, wer draußen gehört. Keine Heldenposse, kein medienwirksamer Akt. Nur konsequenter Schutz, der langfristig Normalität werden soll. Manchen mag das radikal vorkommen. Für die jungen Fußballerinnen ist es längst Alltag – und das ist gut so.