Alpe d’huez: mehr als nur ein berg – legenden, dramen und ein bewegender sieg
Der 4. Juli. Ein Datum, das für viele Amerikaner den Unabhängigkeitstag bedeutet. Doch im Radsport ist er seit 1952 untrennbar mit dem legendären Anstieg nach Alpe d’Huez verbunden – einem Ort, an dem Geschichte geschrieben, Dramen erlebt und unvergessliche Momente entstanden sind. In unserer heutigen Serie blicken wir zurück auf besondere Augenblicke, die uns jedes Jahr aufs Neue in den Bann ziehen.
Fausto coppi: der mann, der die tour prägte
Es begann 1952: Fausto Coppi, einer der größten Namen im Radsport, feierte seinen Triumph auf dem Alpe d’Huez. Nach 266 Kilometern kämpfte er sich an die Spitze, eroberte das Gelbe Trikot und gab es bis nach Paris nicht mehr ab. Ein Dominanzakt, der die Tour für immer veränderte. Die Premiere des Anstiegs war Teil einer neuen Ära von Bergankünften, die jedoch zunächst auf wenig Begeisterung stieß. Über 20 Jahre sollte vergehen, bis Alpe d’Huez 1976 erneut auf dem Tour-Programm stand.
Doch der 4. Juli ist mehr als nur ein Berg. Er ist Bühne für menschliche Dramen und außergewöhnliche Geschichten. Ein Beispiel ist Tyler Farrar im Jahr 2011 in Redon. Der US-Amerikaner feierte einen fulminanten Sieg – einen Tag nachdem seine Garmin-Truppe das Mannschaftszeitfahren gewonnen hatte. Was den Sieg so besonders machte: Farrar formte nach dem Zieleinlauf mit den Händen ein „W“ – eine Geste der Erinnerung an seinen besten Freund, Wouter Weylandt, der wenige Wochen zuvor bei einer tragischen Stürzes im Giro gestorben war. Ein Sieg, der über den Sport hinausging und eine tiefe menschliche Verbindung offenbarte.

Estland feiert auf der tour – und deutsche hoffnungen scheitern
Und dann ist da noch die estnische Verbindung. Zwölf Sommer lang repräsentierte Jaan Kirsipuu die Farben seines Landes bei der Tour und wurde zu einer Sportikone. Vier Etappensiege, darunter zwei an diesem besonderen Datum, machten ihn unvergesslich. Besonders hervorzuheben ist seine Premiere 1999 in Challans, wo er im Trikot des estnischen Meisters Tom Steels und Erik Zabel hinter sich ließ. Ein Triumph, der für immer in die Geschichte der Tour eingehen wird.
Nicht so glücklich hingegen verlief der 4. Juli 2015 für den deutschen Hoffnungsträger Dominik Nerz. Beim Auftakt-Zeitfahren in Utrecht versagte sein Material – der Lenker machte sich auf eigene Faust davon. Während Nerz mit dem Rad kämpfte, nutzte Rohan Dennis den perfekten Kurs für eine Rekordfahrt: Mit 55,446 km/h überquerte er die Ziellinie – eine neue Bestmarke, die den 21 Jahre alten Rekord von Chris Boardman pulverisierte.

Merckx’ serie beginnt – und kessler’ bitterer triumph
Ein weiterer historischer Moment: Der 4. Juli 1969. Eddy Merckx, der unangefochtene König des Radsports, feierte seinen ersten Tagessieg bei der Tour, als er auf dem Ballon d’Alsace als Solist siegte. Und damit begann eine unglaubliche Siegesserie: 34 Etappensiege sollten ihm im Laufe seiner Karriere noch beschieden sein – ein Rekord, der bis heute unübertroffen ist.
Auch der Sieg von Matthias Kessler im Jahr 2006 verdient Erwähnung, obwohl er von einem tragischen Unfall überschattet wurde. Kessler zeigte einen beeindruckenden Auftritt und konnte bergauf niemand mithalten. Sein Lebensweg fand jedoch ein jähes und schmerzliches Ende im Januar 2010 bei einem Trainingssturz auf Mallorca – eine bittere Ironie des Schicksals.
