Alcaraz startet mit offenem visier: titelverteidigung? nein, sockensuche!

Carlos Alcaraz schläft nicht auf dem Thron. Der 20-Jährige landete am Montag in Monte Carlo, doch statt mit Krone kam er mit Turnbeutel – und ohne seinen Glücksspind aus 2023. „Die haben mir den weggenommen“, lachte er, während er durch die Anlage schlenderte, als wäre es ein öffentliches Fußballfeld statt des prestigeträchtigsten Masters auf Sand.

Die Zahl Eins der ATP kennt die Rechnung: Sollte Jannik Sinner diese Woche den Titel holen, wäre Alcaraz am Sonntag nicht mehr die Nummer eins. Die Mathematik interessiert ihn nur peripher. „Ich denke nicht an Punkte, ich denke an Gefühle“, sagt er und klingt dabei wie ein Philosoph, der zufällig Tennis spielt. Die Gefühle stecken momentan in ihrem Tiefschlaf, nach acht Wochen hartercourt-Saison, in denen seine Schuhe kein einziges Mal rote Staubspuren hinterließen.

Seine mission: socken verschmutzen, nicht krone retten

Barcelona, Madrid, Rom – das Triple kommt ohne Pause. Alcaraz wird die einzige Lücke im Kalender nutzen, um sich auf Barcelona vorzubereiten, statt sich auszuruhen. Warum? Weil er dort mit 13 Jahren schon gegen 17-Jährige verlor und die Trophäe inzwischen wie ein Familienfoto behandelt. „Viele Freunde, viele Erinnerungen“, sagt er und klingt dabei wie ein Teenager, der gerade erst merkt, dass die Kindertour vorbei ist.

Die Physiotherapeuten des Teams haben Alarm geschaltet: Drei Masters innerhalb von fünf Wochen sind für einen Körper, der letztes Jahr noch mit Oberschenkelproblemen kämpfte, ein Marathon in Spikes. Alcaraz’ Antwort: „Ich werde meinen Körper pflegen, nicht schonen.“ Ein Satz, der seine Coaching-Crew gleichzeitig stolz und nervös macht.

Kameras statt kokon – die neue zoo-ära im profi-tennis

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Die Doku-Allianz aus ATP und Netflix hat die Umkleiden zu Glaskäfigen gemacht. Alcaraz’ Blick fällt auf ein Smartphone, das live seine Entspannungsübung überträgt. „Das ist zu viel“, sagt er und fordert„Inseln der Privatsphäre“. Iga Świątek hatte vor Wochen dieselbe Klage – „Wir sind keine Tiere im Zoo“ – und traf einen Nerv. Die Verbände lauschen, doch die Kameras rollen weiter, weil das Publikum die Masken liebt, sobald sie fallen.

Heute Abend erfährt er, ob er gegen Sebastián Báez den Clay-Gang eröffnet oder auf Stan Wawrinka trifft, der in Monte Carlo schon 2014 die Herzen eroberte. Alcaraz weiß: Sand ist kein Vergnügen, sondern ein Geduldsspiel. Aber er spielt es lieber als Schach. „Endlich wieder dreckige Socken“, sagt er und verschwindet in Richtung Trainingsplatz. Die Krone bleibt im Hotel. Die Mission beginnt auf dem Platz – und die Kameras haben ihn bereits im Visier.