Aicher schockt shiffrin und lässt die kugel rollen
Emma Aicher hat Mikaela Shiffrin mit einem Sprint ins Zucken versetzt. Beim Riesenslalom-Finale in Lillehammer liegt die 22-jährige Deutsche nach dem ersten Lauf 1,55 Sekunden vor der US-Superstar – und damit goldrichtig im Rennen um die große Kristallkugel.

Die rechnung ist denkbar einfach
Aicher muss gewinnen. Shiffrin darf maximal 15. werden. 85 Punkte trennen die beiden im Gesamtweltcup. Ein Szenario, das vor zwölf Stunden noch wie Hirngespinst klang, wirkt plötzlich greifbar. „Ich bin einfach nur Ski gefahren“, sagt Aicher mit einem Lächeln, das zwischen Ungläubigkeit und Kampfeslust schwankt. „Nichts zu verlieren ist manchmal alles, was man braucht.“
Die Zahl 17 hinter Shifrins Namen tut den Rest. Die fünfmalige Gesamtweltcupsiegerin schlitterte unsanft aus dem Rhythmus, kassierte im steilen Mittelstück zu viel Tempoverlust und schaffte es nicht einmal in die Punkteränge. Für ihre Verhältnisse eine kleine Katastrophe. Für Aicher eine Riesenchance.
Valérie Grenier führt mit 0,26 Sekunden Vorsprung auf Aicher. Die Kanadierin könnte zur ungewollten Nebenschauplatz-Heldin werden. Gewinnt sie, würde Shiffrin selbst bei einem Sieg Aichers die Kugel nicht mehr verlieren – soferne sie ins Ziel kommt.
Kira Weidle-Winkelmann und Lena Dürr bleiben weit zurück. Die deutsche Mannschaft darf trotzdem jubeln. Denn nie zuvor stand Aicher in ihrer schwächsten Disziplin so nah an einem Sieg. Ihre beste Riesenslalom-Platzierung war Rang vier. Jetzt riecht sie Podest, Titel, Sensation.
Um 12:30 Uhr fällt die Entscheidung. Eurosport 1 und HBO Max übertragen live. Wer zittert mehr? Shiffrin, die plötzlich Punkte sammeln muss? Oder Aicher, die alles oder nichts riskiert?
Die Antwort liegt in 60 Torstangen und zwei Minuten purem Adrenalin.
