Camille rast fährt mit schmerzen auf rang sieben – ihr letzter auftritt wird zur zitterpartie

Camille Rast biss sich auf die Zähne, fuhr mit zitternden Beinen und einem Rückstand von 0,77 Sekunden. Halbzeit in Hafjell: Platz sieben. Das klingt nach einem respektablen Mittelfeld, ist für die Schweizerin aber ein kleines Wunder – schließlich schleppt sie seit Wochen eine Verletzung mit sich, die sie sogar im Schlaf nicht loslässt.

Der hang in hafjell macht selbst gesunden zu schaffen

Rast spricht offen mit SRF: „Es geht mir noch gleich. Es ist sicher nicht optimal, ich fahre trotzdem. Es ist nur noch ein Lauf.“ Ein Satz, der klingt, als hätte sie ihn vor jedem Tor dieses Winters gesagt. Die 29-Jährige kennt die Mechanik ihres Körpers inzwischen so gut wie die Stufen in ihrem Heimtrainer. Sie weiß, wann sie Gas geben kann – und wann sie nur noch reagiert. Der Kurs in Hafjell ist berüchtigt: flache Passagen, harte Kanten, blinde Tore. „Es ist noch speziell mit all den Übergängen“, sagt sie und klingt dabei fast wie eine Ingenieurin, die ein letztes Mal die Berechnungen überprüft.

Wendy Holdener hatte vor demselben Hang erst recht kein Mitleid. Die Schwyzerin startete fulminant, rutschte dann mit dem Arm in eine Welle, verlor den Rhythmus, den Faden, den Schwung. Am Ende klapperte sie über die letzten Tore wie ein offenes Messer im Besteckkasten. Rang weit hinten, das Gesicht eine Frage: War das jetzt der Schlag oder einfach nur das Pech? „Ich glaube nicht, dass ich deshalb verletzt bin“, sagt sie und klingt, als würde sie sich selbst beruhigen. Sie wird trotzdem den zweiten Lauf eröffnen – eine Formalie, nicht mehr.

Die uhr tickt auch für die trainer

Die uhr tickt auch für die trainer

Während die beiden Schweizerinnen mit sich hadern, tickt die Uhr auch für die Trainer. Zwischen Durchgang eins und zwei bleiben 75 Minuten, um die Kurslinien neu zu ziehen. Kein Spielzug, sondern Millimeterarbeit. Die Entscheidung, wo sie die Tore verschieben, wird darüber bestimmen, ob Rast morgen noch einmal lächeln kann – oder ob sie nur noch die Zähne zusammenbeißt.

Die Saison endet nicht mit einem Knall, sondern mit einem leisen Aufatmen. Für Camille Rast zählt jetzt nur noch eins: durchkommen. Kein Sieg, kein Podest, nur das Ziel. Und das reicht. Denn wer bis zum letzten Tor noch fährt, hat schon gewonnen – nur eben auf eine Weise, die keine Medaille trägt.