Agius überlebt moto2-chaos von austin und schickt vietti in die wüste

Senna Agius hat die Moto2-Hölle von Austin überstanden – und dabei nicht nur Jake Dixon und Tony Arbolino vergessen gemacht. Mit einem letzten Hieb in Kurve 19 riss sich der Australier den Sieg vom Italiener Celestino Vietti weg, während hinter den beiden ein halbes Startfeld in Stücke flog.

Die rote flagge war erst der anfang

Die erste Startphase dauerte keine zwei Minuten. Zwölf Fahrer lagen nach dem Massencrash in Kurve 11 im Kies, Alberto Ferrández rutschte mit offenem Gas ins Sammelbecken, Daniel Holgado – WM-Leader vor dem Rennen – flog mit Joe Roberts mit. Als die Streckenposten die Trümmer wegkehrten, zählten die Sanitäter nur noch vier Intakte: Piqueras frisch operiert, García Dols mit Rippenstich, Salac mit Motorschaden. Die restlichen sieben rappelten sich auf, aber die Maschinen hatten genug.

Statt Durchzählen: Neustart auf zehn Runden. Die Boxenmauer zitterte. Aspar-Teamchef Jorge Martínez schrie ins TV-Mikro: „Holgado bekommt eine Long-Lap-Penalty? Das ist ein Witz.“ Die Rennleitung blieb hart: Strafe für Holgado, Strafe für Muñoz, Strafe für Baltus – wegen „unsicherer Richtungswechsel“. Die Startaufstellung glich einem Lottofeld.

Beim zweiten Start riss Alonso López die Führung an sich, doch schon in der Zwischenschikane zitterte Viettis Boscoscuro wie ein Flatterband. Agius spürte die Lücke, schlüpfte durch, schraubte sich an Baltus vorbei und legte sich auf Jagdkurs. Hinter ihm jagte Manuel González mit dem Gedanken an die WM-Spitze – und mit drei Zehntel Vorsprung auf Izan Guevara, der wie ein Raketenstart durchs Mittelfeld pflügte.

Penalty, duell, durchbruch

Penalty, duell, durchbruch

Kurz vor der Hälfte schob Baltus seine Long-Lap ein – und fiel vom ersten auf den sechsten Platz zurück. Agius nutzte den Windschatten, Vietti schob sich außen vorbei, doch der Australier schlug in Kurve 19 zurück. Drei Runden vor Schluss warf Vietti alles in die Waagschale, riss Agius auf der Back-Straight, doch der Kalex-Pilot blieb kalt, schloss früher und riss die Linie weg. Ein letztes Mal zuckte Vietti in der Zwölf heran, verlor aber den Halt – Agius war weg.

Guevara krallte sich Platz drei, David Alonso – erst 17 – wurde Vierter und lächelte wie ein Schuljunge, der den Lehrern davonläuft. González beendete das Chaos als Fünfter, reicht aber, um die rote Nummer zu übernehmen: 72 Punkte, drei und halb vor Izan, sechseinhalb vor Holgado, siebeneinhalb vor Vietti. Die Tabelle ist ein Pulverfass.

Am Streckenrand stand Matteo Ferrari, Mechaniker von Agius, mit Tränen in den Augen. Auf seinem Overall klebte ein kleines Foto von Lunadei, dem vor einer Woche bei einem Unfall gestorbenen Boxenburschen. „Dieser Sieg gehört dir, Kumpel“, sagte Agius ins Zielmikro – und ließ den Motor ausklingen, als wäre es das letzte Mal.