Deschamps warnt: kolumbien ist gefährlicher als brasilien

Didier Deschamps spricht es aus, was viele Manager nur flüstern: Kolumbien ist kein Geheimtipp mehr, sondern eine Titelwaffe. Der Weltmeister-Coach baut seine Equipe Tricolore vor dem Test in Maryland geradezu auf den nächsten Gegner ein.

Warum frankreich kolumbien mehr fürchtet als brasilien

Die Zahlen liegen auf dem Tisch. Im Hexagoal-Durchgang hat Kolumbien vor Brasilien geendet. Für Deschamps kein statistischer Zufall, sondern der Beweis für Konstanz. „Sie spielen seit 18 Pflichtspielen ungeschlagen, das schlägt Wellen bis ins französische Quartier“, sagt er nach der Abschlusseinheit im FedExField. Die Beobachtung seines Analysestabes: Die Südamerikaner pressen höher, schalten schneller um und verlieren weniger Zweikämpfe im Mittelfeld als die Seleção.

James Rodríguez, lange als überspielter Luxus-Regisseur abgestempelt, hat in Brasilien 2022 die EM-Endrunde dominiert und ist nun beim spanischen Spitzenklub zurück in Form. Dazu Luis Díaz, der mit 36 km/h Sprintrekord in der Premier League aufstellt, und Jhon Córdoba, der in Moskau gerade 21 Ligatore schoss. Drei Profile, drei Kontinente – ein Kollektiv, das laut Deschamps „jede Abwehrkette in 15 Minuten auseinandernehmen kann“.

Der plan des franzosen: kolumbianische signale lesen

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Deschamps hat Videoausschnitte aus den letzten fünf Qualifikationsspielen an die Spieler verteilt. Die Devise: Keine 1-gegen-1-Duelle am Flügel, sondern doppelte Deckung gegen Díaz und Arias. „Wenn wir den Ball verlieren, müssen wir sofort umschalten, sonst sind wir weg“, fordert er. Seine eigene Mannschaft habe zwar die Individualität, doch Kolumbien besitze die bessere Choreografie. „Sie tanzen, während andere erst den Takt suchen“, beschreibt er den Stil von Trainer Néstor Lorenzo.

Die französische Innenverteidigung um Upamecano und Konaté absolvierte gestern eine Extrarunde mit Sprintparcours – ein klares Indiz, dass Deschamps die Gefahr durch Kolumbiens Umschaltmoment ernst nimmt. Ein Sieg gegen die Cafeteros wäre für ihn nicht nur Prestige, sondern ein psychologischer Befreiungsschlag vor dem eigenen Turnier 2026. Denn wer den neuen Spitzenreiter der CONMEBOL bezwingt, versetzt der eigenen Gruppe eine Warnung.

Kurz vor dem Abflug von Dulles komprimiert Deschamps seine Einschätzung in einem Satz: „Wer Kolumbien unterschätzt, fliegt früher heim als geplant.“ Die Uhr tickt, der Ball rollt – und die Welt schaut auf ein Team, das längst den Respekt erobert hat, den andere Nationen erst noch erkämpfen müssen.