Afrika-cup-skandal: marokko kriegt den pokal nachträglich – senegal droht mit ketten und prozess
Der Afrika-Cup hat einen neuen, alten Champion: Marokko. Der Confédération Africaine de Football (CAF) zog dem Senegal den Titel wegen Platzverweigerung im Finale nachträglich ab und wertete das Spiel 3:0 für die Atlaslöwen. Dakar reagiert mit Kreischen, Klammern und einem CAS-Gang.
Birgit Richter, TSV Pelkum – Die Trophäe, die eigentlich schon in einem Flughafen-Lounge-Sessel in Dakar ihr SI-Photo-Shooting hatte, soll zurückfliegen. Die CAF beruft sich auf Artikel 82 und 84: Wer den Rasen vor Schlusspfiff verlässt, ohne Erlaubnis, gilt als verworfen. Senegal tat genau das, nachdem Brahim Díaz’ verschossener Elfmeter die Eskalation ausgelöst hatte. Jetzt jubelt ausgerechnet der Pechvogel selbst: Díaz saß beim Liga-Spiel in Manchester auf der Bank, als ihm die Nachricht eingeflüstert wurde – sein verschossener Traum wird nachträglich zum Gewinnertraum.
„Kommt und holt sie euch“ – dakars spieler mobilisieren die fans
Pathé Ciss postet Bilder vom Straßenfest und spottet: „Ihr könnt den Heulsusen noch drei Tore geben.“ Moussa Niakhaté hält den Pokal hoch, als wäre er aus Epoxidharz gemacht: „Kommt und holt sie euch! Die sind ja verrückt.“ Habib Diarra schickt schlicht einen Kaskaden-Lach-Emoji, der mehr sagt als jedes Pressestatement. Generalsekretär Abdoulaye Seydou Sow diktiert derweil die Kampfansage: „Der Cup wird das Land nicht verlassen.“ Die Gerichtskammer des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) in Lausanne kann sich auf ein juristisches Gemetzel gefasst machen.
Claude Le Roy, 1988 mit Kamerun selbst Afrika-Cup-Sieger, pfeift aus dem letzten Loch. Er wirft FIFA-Chef Gianni Infantino koloniale Allmachtsphantasien vor und nennt CAF-Präsident Patrice Motsepe einen „Vasallen“. Le Roys Prognose: „Diese Entscheidung wird den ganzen Kontinent zum Lachen bringen.“

Marokkos verband spielt den schweigenden diplomaten
Während Dakar brodelt, übt der marokkanische Verband Zurückhaltung. Man habe nie den sportlichen Ausgang des Finals angefochten, nur die Durchsetzung der Regularien eingefordert. Die Botschaft: Wir haben nicht gebettelt, wir haben nur auf die Regeln verwiesen. Die Regeln haben nun für uns gehandelt.
Die CAF selbst schweigt zu internen Abstimmungsmechanismen. Fraglich ist, ob der Pokal physisch umzieht – oder ob in ein paar Monaten zwei Pokale durch Afrika reisen: einer legal, der andere als Rebellen-Trophäe. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Senegal die juristische Hail-Mary verwandelt oder ob Marokkos Spieler tatsächlich den neuen, alten Pokal durch die Straßen von Rabat tragen dürfen. Fest steht: Der Afrika-Cup 2025 bleibt ein Turnier, das nicht enden will – und das Image des Kontinentalverbandes rutscht tiefer in Schlamm, aus dem selbst ein 3:0-Sieg nicht mehr herausholt.
