Stadionsprecher trippel kassiert 8000-euro-dfb-büße – fc köln muss schriftlich nachlegen
Michael Trippel, die Stimme des RheinEnergieStadions seit 1999, fluchte ins Mikro, der DFB blitzte ab: 8000 Euro Strafe für den 1. FC Köln, weil ihr Stadionsprecher beim 1:2 gegen Dortmund „Pfui, widerlich“ brüllte und anschließend die Schiedsrichter-Performance anprangerte. Das Sportgericht urteilte am Dienstag – und stellte einen Zettel in den Briefkasten: Der Verein hat sieben Tage Zeit zu belegen, dass Trippel künftig nur noch neutrale Ansagen lostritt.
„Pfui, widerlich“ – der satz, der 8000 euro kostet
25. Spieltag, 71. Minute: Jahmai Simpson-Pusey sieht Rot. Trippel, sonst eher ein Moderator als ein Fan, rutscht es raumgreifend heraus: „Pfui, widerlich.“ Sekunden später hallt seine Stimme wieder, diesmal mit Seitenhieb auf den VAR: „Ich werde Ärger kriegen, aber es gab ein klares Handspiel eines Dortmunders.“ Der DFB nahm’s auf, wog das Einspruchs- und Entschuldigungsschreiben von Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler mit – und ließ den Klub trotzdem bluten.
Die Begründung liest sich wie ein Lehrstück für Arena-Moderatoren: „Unsportliche Aussagen, insbesondere in Bezug auf Schiedsrichter, Schiedsrichterentscheidungen und andere Spielbeteiligte, zukünftig zu unterlassen.“ Der FC muss dem Verband binnen einer Woche schriftlich versichern, dass Trippel intern belehrt wurde. Tut er es nicht, droht Nachschlag.

Trippels längste woche seit 25 jahren
Für den 71-Jährigen ist die Geldbuße eine Premiere. Seit seinem Amtsantritt unter Manager Franz Kremer war er die unantastbare Stimme der Domstädter, sang mit 50.000 Kehlen „Mer stonn zo dir“ und moderierte Hochzeiten wie den Pokalsieg 1977 zum Jubiläum. Nun muss er sich selbst zügeln – oder das Mikro abgeben. Intern spricht man von einem „Sensibilisierungsgespräch“, das längst stattgefunden habe. Extern wartet der DFB auf den Beleg.
Die Kasse des 1. FC Köln ist ohnehin klammenverseucht: Kein Europacup-Geld, kein Sponsor-Sprinter, dafür hohe Personalkosten. 8000 Euro sind kein Ruin, aber ein weiteres Leck im ohnehin sinkenden Schiff. Und sie setzen ein Signal: Selbst Kultfiguren sind nicht länger gefeit, wenn sie die Liga in Verruf bringen.
Am 34. Spieltag, wenn Köln gegen Union Berlin um den Klassenverbleib kämpft, wird Trippel wieder am Mikro stehen – vorausgesetzt, der Nachweis ist unterschrieben. Dann wird er wohl auf das „Pfui“ verzichten, nicht aber auf die Spannung. Denn die Arena braucht seine Stimme, auch wenn sie künftig leiser wird.
