Abodi nach bergamo: kean brennt, bosnien soll brennen
Andrea Abodi spricht kaum noch. „Donnerstagabend habe ich gebrüllt.“ Der Sportminister saß in Bergamo, hat gejubelt, mitgezittert – und jetzt den Atem wieder. Seine Stimme ist heiser, sein Blick klar: Mit Kean, Pio Esposito und diesem Kader schafft Italien den Sprung nach Kanada.
„Wir sind besser, als alle glauben“
Die ersten 45 Minuten gegen Nordirland waren ein Zittern. „Spannung, ein bisschen Angst“, sagt Abodi im Aniene-Klub Roms, wo er über Sport als Bildungsmotor diskutiert. Dann die Kabine, dann Gattuso. „Da musste eindeutige Sprache herrschen.“ Danach kam die Wende – und mit ihr die Erkenntnis: Diese Truppe hat Tiefe. Die Einwechseler brachten Frische, die Stammkräfte die Erfahrung. „Genau diese Mischung zündet auch in Zenica.“
Dienstagabend, 20.45 Uhr, Grbavica-Stadion. 15.000 Bosnier, dazu ein Block Italiener, der lauter ist als die Heimkurve. „Feindliche Arena, ja. Aber wir reisen mit Millionen Herzen im Gepäck“, so Abodi. Das Motto: alles raus, nichts schonen. „Es gibt nichts mehr zu lernen, nur noch zu enthüllen. Und das Material, das wir haben, ist besser, als wir uns selbst zutrauen.“

Keans hunger und die spur von 2021
Wer überrascht? „Niemanden“, antwortet der Minister knapp. Dann nimmt er Kean auseinander: „Er hat den extra Schritt, man sieht die Gier. Wir brauchen Junge, die artig sind – und dreckig, wenn’s ums Tor geht. Kean vereint beides.“ Gleiches gelte für Pio Esposito, für die unverzichtbare Unruhe, die Italien 2021 einmal zum EM-Titel trug. „Dieses Herz ist wieder da“, sagt Abodi. Verdienst: Gattuso und sein Stab, in dem auch Weltmeister von 2006 sitzen. „Luca wird von oben helfen“, fügt er leiser hinzu. Ein Satz, der keinen Kommentar braucht.
Die Video-„Eskalation“ nach dem Schlusspfiff? Abodi zuckt die Achseln. „Jungs, die gerade 96 Minuten Kampf hinter sich haben. Wo ist das Problem?“ Er will keine Debatte, er will den nächsten Sieg. Dafür fehlt ihm nur eins: Zeit. Dienstag Vormittag hält er in Rozzano die Feier zum 25. Jahrestag des Zivildienstes, Mittwoch verleiht Rom den Titel „Stadt der Jugend“. Zenica wird er nur im Livestream erleben. „Aber im Kopf bin ich bei jedem Zweikampf dabei.“
Seine Prognose: „Am 12. Juni spielt Italien in Kanada – und keiner redet mehr von verpassten Trainingslagern.“
