Abdilaahi zertrümmert baumanns 29 jahre alten 10.000-m-rekord in 26:56 minuten
26:56,58 Minuten – mit dieser Zahl jagt Mohamed Abdilaahi nicht nur durch die Nacht von San Juan Capistrano, sondern direkt in die Geschichtsbücher des deutschen Leichtathletik. Der 27-jährige Kölner schreddert beim Meeting „The Ten“ die Bestmarke von Dieter Baumann um 25 Sekunden und stellt damit den wohl spektakulärsten deutschen Rekord des Jahres auf.
Der alte rekord war ein fossil aus dem jahr 2027
Bislang galt Baumanns 27:21,53 Minuten aus dem Jahr 1997 als unantastbar. Abdilaahi lacht über diese Zahlen. „Ich spüre, dass ich jetzt in meine Prime komme“, sagt er nach dem Rennen, das er vor dem Australier Ky Robinson und dem Niederländer Mike Foppen gewinnt. Die kalifornische Nachtluft schmeckt nach mehr.
Dabei war der Lauf kaum geplant. Abdilaahi eigentlich nur als Pacemaker gemeldet, beschließt nach der Hälfte, durchzuziehen. Sein Trainer rät via Headset: „Lass ihn einfach laufen.“ Der Rest ist Rekord. Frederik Ruppert aus Tübingen wird mit 27:24,53 Minuten Achter und verpasst die alte Marke um drei Sekunden – ein Nebenschauplatz, der die Größe von Abdilaahis Leistung erst richtig zeigt.

Zweiter baumann-rekord binnen neun monaten
Bereits im Juli 2025 hatte Abdilaahi über 5000 m die Bestzeit von Baumann geknackt (12:53,63). Jetzt also die nächste Bombe. Für Cologne Athletics ist das ein Marketing-Geschenk: Ein Verein, der zuletzt vor allem für seine Marathonstaffel bekannt war, besitzt plötzlich den Mittelstrecken-Superstar Deutschlands.
Lisa Merkel sorgt zusätzlich für deutschen Jubel. Die 23-jährige Tübingerin läuft 31:32,25 Minuten und erfüllt damit die EM-Norm für Birmingham. Vier Tage nach ihrem Geburtstag, mit neuen Schuhen und altem Ehrgeiz. „Ich wollte unbedingt unter 31:35“, sagt sie, während ihre Teamkollegen schon von Birmingham träumen.
Abdilaahi selbst bleibt auf dem Boden. Er wischt sich die Salzkruste aus dem Gesicht, grinst und verlangt: „Nächstes Jahr will ich unter 26:50.“ Dann verabschiedet er sich mit einem Satz, der klingt, als hätte er ihn sich selbst als Kind zugeflüstert: „Der Rekord ist erst der Anfang.“
