17-Jähriger franzose schreibt miami-geschichte: kouamé fegt svajda weg

Moise Kouamé trat gegen Peter Svajda an, als wäre die Welt hinter ihm bereits in Flammen. 17 Jahre und drei Tage alt, mit einer Wildcard in der Tasche und dem Ruf, im Training manchmal zu hart zu treffen. Dann lag er im dritten Satz mit 0:40 zurück. Zehn Breakbälle wehrte er ab. Zehn. Finale Zahl: 5:7, 6:4, 6:4. Das Stadion in Miami explodierte.

Nadal war 16 jahre her – kouamé macht die uhr platt

Nadal war 16 jahre her – kouamé macht die uhr platt

Seit 2003 hatte kein Spieler unter 18 Jahren hier gewonnen. Damals war es Rafael Nadal, heute ist es ein Junge, der 2009 geboren wurde und dessen Tennisschuhe noch nach Frischkleber riechen. Die ATP-Liste kannte ihn vor zwei Wochen auf Position 385, nach diesem Sieg wird er rund 320 springen. Die Top-400-Marke knackte er mit 16 Jahren und 354 Tagen – zuletzt schaffte das Carlos Alcaraz.

Richard Gasquet sitzt seit seinem Karriereende an seiner Seite. „Er schlägt Bälle, als wären sie schuld an allem“, sagte der Altmeister nach dem Match und lachte verschwörerisch. Die Analyse ist simpel: Kouamés Vorhand fliegt mit 170 km/h, seine Beinarbeit erinnert an einen Mountainbiker, der den Hang runterrast, ohne zu bremsen. Svajda, selbst erst 22, wirkte plötzlich wie ein Veteran, der vergessen hatte, wie man jung ist.

Die wilden 0:40-Sekunden im dritten Satz dauerten 12 Minuten. Drei Winner, zwei Netzroller, ein Return, der so flach war, dass er den Kreidestaub küsste – und schon war das Break weg. Svajda schleuderte anschließend den Ball ins Aus, als wollte er die Realität vernichten. Der Franzose blieb kühl, nickte nur seinem Coach zu. Kein Fäustchen, kein Schrei. Arbeit.

Im Achtelfinale wartet nun Jiri Lehecka, 22, Top-30, ein Läufer mit Eisenlunge. Für Kouamé ist es das erste ATP-Hauptfeld überhaupt, das zweite Match also direkt gegen einen Mann, der letztes Jahr in Wien Medvedev ärgerte. Die Buchmacher lassen Kouamé bei 4,75 – ein Kurs, der sich morgen bereits in Luft auflösen könnte.

Die Uhr tickt anders, seit er in Miami aufschlug. Seine Eltern flogen extra aus Lyon ein, saßen in Reihe drei und weinten sich durch das Finale. „Ich habe nur an meine Schwester gedacht, die mir letzte Woche schrieb: ‚Spiel so, als würdest du auf dem Court zu Hause sein‘“, sagte Kouamé später, die Stimme noch heiser vom Krieg auf dem Platz. Die Schwester ist 14 und spielt ebenfalls Tennis. Ihr Idol heißt jetzt Moise.

Die Turnierleitung hat ihm bereits eine neue Wildcard für die nächste Woche in Madrid zugesagt – egal, wie das Lehecka-Match ausgeht. Die Maschine läuft, der Name wird gedruckt, die Marketingabteilung der ATP dürfte aktuell ihren Spaß haben. Kouamé selbst packt noch seine Schläger selbst ein, isst nach dem Match ein einfaches Sandwich und lächelt verschmitzt: „Ich bin noch nicht satt.“

Miami hat einen neuen Liebling, und er trägt noch keine Sponsorenlogos auf den Ärmeln. Das wird sich ändern, spätestens wenn er in Madrid erneut das Netz stürmt. Die Uhr tickt – aber sie tickt für ihn.