Spitzen-duell in regensburg: leipzigs titel-anspruch auf dem prüfstand
Der HC Leipzig hat den Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren, nun muss er in Regensburg beweisen, dass der frühe Tabellenführerschaft kein Strohfeuer war. Der ESV 1927 empfängt heute die Sachsen – und könnte den Meisterschaftskampf mit einem Sieg völlig neu entfachen.
Regensburg plant den großen coup
Noch vor fünf Wochen wirkte Leipzig wie eine Maschine: 13 Siege, ein Remis, kein einziger Punktverlust. Dann kam Bremen, plötzlich stand es 24:25, und mit der ersten Niederlage rutschte auch die Zweifel ins Team. Drei Unentschieden folgten, der Vorsprung auf Nürtingen schmolz von fünf auf einen Punkt. „Wir haben die Köpfe wieder freibekommen“, sagt Coach Erik Töpfer, doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Seit dem Knackpunkt in Bremen klingt Leipzigs Angriff um 2,3 Tore pro Spiel leiser, die Kreismitte verliert 28 % ihrer Ballgewinne. Der Gegner hat die Blaupause gelesen.
ESV-Coach Bernhard Goldbach will genau dort ansetzen. „Wir müssen die Kreisläufer früh doppeln und den Rückraum sofort zustellen“, fordert er. Dabei vertraut er auf eine junge, aber längst nicht unerfahrene Riege: Mit Hanna Löwe (21) und Lena Klimke (20) haben die Regensburgerinnen zwei Nationalspielerinnen im Kader, die sich nicht von Leipzigs Tempo schocken lassen. Die Statistik gibt ihnen recht: In den letzten drei Heimspielen kassierte Regensburg nie mehr als 24 Gegentore – Leipzig erzielte in derselben Zeit im Schnitt 32.

Leverkusen will den nächsten blitz
Während Leipzig kämpft, hat Bayer 04 Leverkusen den Schwung einer Siegesserien. Der 28:24-Erfolg gegen den Tabellenführer war keine Eintagsfliege, sondern das Ergebnis eines taktischen Umbaus. Seitdem Annika Ingenpaß die Abwehr auf eine flexible 5-1-Variante umstellt, kassieren die Elfen im Schnitt vier Tore weniger. Nun kommt mit TG Nürtingen der einzige Verfolger, der Leipzig noch die Spitze nehmen kann. Die Leverkusener Innenverteidigung um Henriette Clauberg wird dabei auf die Rückraum-Duelle mit TGN-Topscorerin Mareike Thomaier eingestellt sein. „Wir haben nichts zu verlieren“, sagt Ingenpaß – ein Satz, der in Nürtingen für kalte Schweiß sorgt.
Denn der Tabellenzweite muss auf Lenya Treusch verzichten, ihre angebrochene Speiche lässt sie mindestens drei Wochen ruhen. Ohne ihre sieben Tore pro Spiel wirkt der Angriff plötzlich berechenbar. Coach Manel Cirac versucht, die Lücke mit Vivien Natalello zu schließen, doch die 22-Jährige fehlt seit Wochen im Rhythmus. „Vivien hat einen ähnlichen Spielstil“, sagt Cirac – doch die Statistik zeigt: Treusch trifft aus dem Rückraum mit 58 %, Natalello nur mit 43.

Rostock und lintfort – kellerduell mit ansage
Im Ostseestadion steht heute kein Spiel, sondern ein Seelenstriptease an. Rostock wartet seit 2026 auf einen Sieg, Lintfort sogar seit November. Die Gäste-Trainerin Bettina Grenz-Klein spricht offen vom „Endspiel“, doch die Zahlen sind gnadenlos: Der TuS trifft nur noch jedes zweite Tor, 14 % der Würfe landen am Aluminium. Rostocks Kreisläuferin Lina-Marie Schulz hingegen kann im Torabschluss mit 72 % aufwarten – ein Vorteil, der über die Partie entscheiden könnte. „Wir bekommen Chancen, scheitern aber zu oft an uns selbst“, sagt Grenz-Klein. Die Botschaft: Wer heute verliert, rutscht in die Abstiegszone – und vielleicht für immer.
Die 2. Handball-Bundesliga der Frauen liefert diesen Samstag keine einfachen Antworten. Leipzig muss seine Krise überwinden, Leverkusen will den nächsten Coup, Regensburg träumt von der Sensation. Und ganz unten kämpfen Rostock und Lintfort ums nackte Überleben. Die Spitzenklubs gehen sich aus dem Weg? Heute nicht mehr. Die Rechnung ist einfach: Wer jetzt stolpert, verliert mehr als zwei Punkte – er verliert die Saison.
