Spinazzolas wm-traum zerbricht in zenica: «das war meine letzte chance»

Leonardo Spinazzola stand mit zerissener Stimme im Katakomben-Tunnel von Zenica und konnte es noch nicht fassen: Keine dritte WM in Folge für Italien, keine zweite Chance für ihn. Die 1:2-Niederlage gegen Bosnien bedeutet nicht nur das Aus im Play-off, sondern das Ende einer Ära. «Ich bin 33, das war meine letzte Chance auf ein Weltmeisterschaft», sagte der Napoli-Linksverteidiger mit roten Augen. «Kein vielleicht. Für mich ist Schluss.»

Die Stimmung im Bilino Polje-Stadion schwappte zwischen Ekstase und Trauer – auf der einen Seite Jubel für Dzeko & Co., auf der anderen italische Spieler, die am Boden lagen. Bastonis Rot nach 41 Minuten war nur ein Teil des Dramas. «Wir wussten, dass es mit zehn Mann extrem schwer wird, aber wir hätten vorher drei, vier Tore machen müssen», so Spinazzola. Die Chancen waren da, doch der Ball wollte nicht rein.

Die szene, die ganz italien aufbrachte

In der 73. Minute riss Muharemovic Palestra im Strafraum nieder – Gelb, kein Elfmeter. «Ja, die Szenen gab es», bestätigte Spinazzola knapp. Doch er weigerte sich, die Schiedsrichterentscheidungen als Ausrede zu nutzen. «Jetzt bringt das nichts mehr.» Stattdessen sprach er von den Kindern, die im Stadion geweint haben, von den Familien, vom ganzen Land. «Es tut mir leid für alle, die an uns geglaubt haben und jetzt kein weiteres WM-Märchen erleben werden.»

Die Zahlen sind hart: Italien verpasst zum zweiten Mal in Folge die WM-Endrunde, nach dem Debakel 2018 folgt nun 2026 der nächste Befreiungsschlag. Für Spinazzola persönlich ist die Bilanz noch bitterer: 2018 verletzte er sich kurz vor der Abreise, 2022 saß er wegen Achillessehnenproblemen zuhause. Zenica war die letzte offene Tür – und die ist nun zugeschlagen.

Was jetzt? generationenzwiespalt und ein neuanfang ohne spinazzola

Was jetzt? generationenzwiespalt und ein neuanfang ohne spinazzola

Trainer Spalletti muss umdenken. Mit Spinazzola, Bonucci und Immobile fallen drei Leitfiguren weg. Die Jungen – Bajraktarevic, 20, war gerade erst eingewechselt – sollen nun den Aufbruch wagen. «Ich hoffe, dass sie neue Chancen bekommen», sagte Spinazzola. Doch die Frage bleibt: Wer übernimmt die Führung, wenn die Alten gehen?

Im Mixed-Zone stand Spinazzola noch lange nach Abpfiff allein da, ein Mann ohne WM-Ticket, aber mit dem Wissen, dass er in den nächsten Monaten zum Symbol werden könnte: für ein System, das seit Jahren an seiner eigenen Größe zerbricht. Italien muss neu aufbauen – und Spinazzola wird dabei nur noch als Zuschauer fungieren.