Späth bricht sein schweigen: „diese hate-welle hat mich fertiggemacht“
David Späth musste sich nach seinem EM-Einsatz gegen Dänemark anhören, Deutschland „schenke ab“, wenn er spiele. Die Worte treffen den 23-Jährigen so hart, dass er jetzt öffentlich Revue passieren lässt – und die Handball-Experten namentlich an die Wand stellt.
Warum der junge weltmeister plötzlich zum buhmann wurde
Die Szene ist schnell erzählt: 40. Minute, Dänemark führt mit zwei Toren, Andreas Wolff sitzt auf der Bank. Sein Stellvertreter pariert in der Folge sieben von 18 Würfen, kommt auf 39 Prozent Fangquote – ein Spitzenwert gegen den Olympiasieger. Deutschland verliert trotzdem, danach regiert vor allem Empörung: „Wieso wird Wolff ausgewechselt?“ Die Frage dominiert Talks, Kommentarspalten, Podcasts.
Späth ahnte, dass genau diese Debatte aufflammen würde. „Mir war klar, egal wie ich spiele, es wird über mich geredet werden“, sagt er im kicker-Interview. „Aber dass es so respektlos wird, damit habe ich nicht gerechnet.“

„Schenken wir ab“ – die sätze, die alles entfachten
Stichwort respektlos: In der Dyn-Sendung „Harzblut“ fallen Sätze wie: „Wenn Späth beginnt, schenken wir ab.“ Die Ausdrücke stammen von Ex-Nationalspielern, die selbst Jahre auf dem Parkplatz standen. Für Späth ein Schlag ins Gesicht. „Sie wissen nicht, wie sich das anfühlt, wenn du liest, dass dein Einsatz gleichbedeutend mit Aufgabe ist.“ Die Folge: Hassnachrichten im Sekundentakt, Späths Handy explodiert formelhaft. „Ich habe geheult, das gebe ich offen zu.“
Noch bitterer: Die Statistik spricht für ihn. Nach 45 Minuten steht die Anzeigetafel auf 39 Prozent gehaltene Bälle – mehr war in diesem Turnier kaum jemandem gelungen. „Besser geht gegen Dänemark nicht“, sagt Späth. „Trotzdem redet keiner über die Paraden, nur über das angebliche Versagen.“
Wolff versus späth – ein scheinkonflikt, der beiden schadet
Die Entscheidung von Bundestrainer Alfreð Gíslason, zu rotieren, ist aus sportlicher Sicht nachvollziehbar: Wolff hatte einen Tag zuvor gegen Norwegen 22 Bälle gehalten, 60 Minuten Vollgas. Eine Belastungssteuerung, nicht mehr. Doch in der öffentlichen Wahrnehmung entzündet sich ein Kampf um den Platz zwischen den Pfosten. „Wir sind keine Gegner, wir sind Kollegen“, betont Späth. „Andi hat mir nach dem Spiel gratuliert, mich aufgebaut. So läuft das bei uns.“
Juri Knorr, Mittelmann und bester Freund des Keepers, bestätigt: „David war emotional am Boden. Wir haben versucht, ihn hochzupicken.“ Die Aussagen von außen hätten das Lager gespalten, wo ohnehin keine Spaltung war.
Die lehre: expertenmikrofone sind keine schalke-tribüne
Späths Fazit fällt schneidend aus: „Wer als Experte Sätze dropt, die eine ganze Leistung diskreditieren, der muss sich fragen lassen, ob er seiner Vorbildfunktion gerecht wird.“ Er fordert keine Kritiklosigkeit, aber Sachlichkeit. „Wir sind keine Avatar-Figuren, hinter denen ein Algorithmus steckt. Wir sind Menschen mit Selbstzweifeln.“
Die Zahle am Ende: Seit der EM ist Späths Fangquote bei 34 Prozent – nur Wolff liegt mit 38 Prozent knapp darüber. Der Unterschied: Ein Torhüter wird gefeiert, der andere beschimpft. „Vielleicht“, sagt Späth, „sollten wir anfangen, Leistung wieder zu zählen statt zu verzählen.“
