Spanische handball-elite in nahost eingekesselt: rivera & co. bangen um heimflug

Valero Rivera schaut aus dem Hotelfenster und sieht nur geschlossene Flughäfen. Der 78-Jährige, der Katars Nationalteam wieder zur Weltspitze führen soll, wartet seit Tagen auf eine Ticketbestätigung – doch der iranisch-amerikanische Drohnenkrieg über Katar blockiert jeden Luftraum. „Mir geht’s gut, aber ich bin besorgt“, sagt er knapp. Mehr kriegt er nicht heraus. Seine Stimme klingt heiser vom ständigen Erklären, warum er freiwillig in eine Krisenregion reiste.

Die trainer, die den ruf des geldes folgten

Rivera ist kein Einzelfall. Mit ihm sitzen Ambros Martín (Al-Duhail SC), Íñaki Aniz (Qatar SC) und Fitnesstrainer Jesús Rivilla in Doha fest. Drei Karrieren, die in Spanien Legendenstatus erreichten, sind nun Spielbälle einer Geopolitik, die keine Sportregeln kennt. Martín beschreibt die Stimmung so: „Zwischen den Sirenen herrscht Normalität – eine trügerische.“ Die Trainingseinheiten finden statt, aber nach 60 Minuten schickt er seine Spieler in die Kabine, weil das Raketenabwehrsystem erneut aufheult.

Lo que nadie cuenta ist, dass die Klubs die Trainer trotz Kriegsrisiko nicht freistellen. Die Verträge beinhalten keine Ausstiegsklausel bei „höherer Gewalt“. Wer geht, verzichtet auf Gehalt. Wer bleibt, spielt russisches Roulett mit der Lage. Rivilla zeigt sich pragmatisch: „Zum Glück bin ich nicht in der Nähe der US-Basen.“ Die Ironie: Genau diese Basen sind das primäre Ziel der iranischen Angriffe. Ein paar Kilometer weiter und seine Ruhe wäre Geschichte.

Julian ruiz spürt den kontrast – noch

Julian ruiz spürt den kontrast – noch

Während seine Kollegen in Katar auf Granaten warten, trainiert Julian Ruiz in Saudi-Arabien weiterhin ohne Sirenen. „Alles normal hier“, sagt er und meint damit, dass die Handball-Liga noch nicht abgesagt ist. Doch auch Ruiz kennt die Zahlen: Saudi-Arabien schoss in der Nacht zuvor sieben iranische Drohnen ab. Die Luftabwehr funktionierte, die Stimmung bleibt kalt. Ruiz’ Tonfall wirkt wie ein Mann, der gerade vom Dach eines Hauses zurückkam, das in zwei Sekunden einstürzen kann.

Die spanische Handball-Föderation reagiert mit Schweigen. Keine Evakuierungspläne, kein Krisenstab. Die Logik: Die Klubchefs vor Ort tragen die Verantwortung. Ein Schelm, wer denkt, dass die Millionengehälter der Trainer die Risikokalkulation der Verbände lähmen. Rivera erhält in Katar ein Vielfaches dessen, was er in Spanien je verdiente. Der Preis: Er darf nicht mehr nach Hause.

Die nächsten Tage entscheiden, ob die Luftraumsperre fällt oder verlängert wird. Falls sie bis zum Wochenende bestehen bleibt, verpasst Riveras Team die Qualifikationsturniere für die WM 2027. Ein Verbandsoffizieller aus Madrid sagt anonym: „Wenn sie dann immer noch dort sind, ist das ihr Problem.“ Kalt, klar, business as usual.

Abends trifft sich die spanische Kolonie im Hotelrestaurant. Sie bestellen Paella, reden über alte Zeiten in Barcelona und Madrids Olympiastützpunkt. Draußen zuckt das Abwehrfeuer über dem Golf. Rivera hebt sein Wasserglas und murmelt: „Wir sind nicht mehr Trainer, wir sind Geiseln unserer eigenen Karriere.“ Keiner widerspricht. Die Rechnung kommt in Qatar-Riyal – und in unbezahlter Angst.