Spanien in südamerika: eine reise voller pannen vor 1950

Vor 74 Jahren wagte die spanische Nationalmannschaft den ersten transatlantischen Flug zu einer Weltmeisterschaft – eine Expedition, die ebenso von technischem Versagen wie von maritimem Luxus bei den Italienern geprägt war. Die Reise nach Brasilien markierte einen Wendepunkt, offenbarte aber auch die Anfänge des modernen Reise-Chaos.

Die anreise der spanier: stopps, reparaturen und nerven

Am 17. Juni 1950 versammelten sich die Spieler und Offizielle in Madrid, bereit für das Abenteuer Südamerika. Die Weltmeisterschaft feierte nach der Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg ihre Wiederbelebung, und Spanien kehrte in den Wettbewerb zurück, nachdem man 1938 aufgrund des Bürgerkriegs gefehlt hatte. Iberia bediente zwar schon seit 1946 Verbindungen nach Südamerika, doch die spanische Delegation entschied sich für Panair, eine brasilianische Fluggesellschaft. Die Reise gestaltete sich alles andere als reibungslos. Die Spieler wurden auf zwei Flugzeuge aufgeteilt, wobei der erste Flug in Sal (Kap Verde) und Natal (Brasilien) Zwischenlandungen einlegen musste, bevor er in Rio de Janeiro landete. Der zweite Flug erlitt kurz nach dem Start einen Motorschaden und musste in Lissabon notlanden, um repariert zu werden. Die Mannschaft verbrachte die Nacht in Estoril und setzte die Reise nach einem weiteren Zwischenstopp in Dakar und Recife fort. Obwohl sie erst viereinhalb Stunden nach dem ersten Flug in Rio eintraf, offenbarte diese Reise die Anfänge der Herausforderungen des internationalen Reisens.

Italien auf see: tanz statt training

Italien auf see: tanz statt training

Im krassen Gegensatz dazu entschied sich Italien für eine Seereise. Das Land war noch immer von der Tragödie von Superga im Mai 1949 erschüttert, bei der das gesamte Team von Turin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Als Reaktion darauf wählte der italienische Fußballverband die Seereise als sicherere Alternative. Am 18. Juni erreichte der Transatlantikdampfer Sises in Rio de Janeiro, nachdem er von Neapel aufgebrochen war. Hier wurde der Weltpokal, den Italien 1938 gewonnen hatte, dem brasilianischen Fußballverband überreicht. Doch auch diese Reise hatte ihre Schattenseiten. Trainer Ferruccio Novo versuchte, Trainingseinheiten auf dem Deck zu organisieren, doch diese waren wenig erfolgreich. Die Spieler waren demotiviert, und ständig fielen Bälle über Bord. Stattdessen widmeten sich die Fußballer dem Tanz und dem Gesellschaftsleben an Bord – eine Entscheidung, die sich letztendlich in ihrer Leistung auf dem Platz niederschlug. Italien scheiterte frühzeitig am Turnier, ausgeschaltet von Schweden und Paraguay.

Die Ergebnisse spiegelten die Umstände wider: Spanien erreichte als Viertplatzierter das beste Ergebnis bis zum Gewinn der Weltmeisterschaft in Südafrika sechs Jahrzehnte später. Die italienische Reise hingegen wurde zu einer Mahnung, dass auch der größte sportliche Erfolg von äußeren Faktoren und einer optimalen Vorbereitung abhängt. Die Geschichte der Anreise zur WM 1950 ist eine faszinierende Mischung aus Pioniergeist, technischem Leidschmerz und der menschlichen Natur, die selbst im Angesicht eines großen Turniers nicht vergessen werden darf.