Giro d'italia donne: finestre – eine prüfung für die frauenelite
Die Luft wird dünner, die Steigungen steiler, die Geschichte wird geschrieben: Das Giro d'Italia Donne erreicht mit dem Colle delle Finestre einen neuen Meilenstein. Zum ersten Mal in der Geschichte der Frauenrennen wird diese legendäre Pyrenäspitze bezwungen – ein Beweis für den wachsenden Stellenwert des Frauenradsports und eine Zerreißprobe für die Athletinnen.

Ein vergleich zu den männern: wann kam der finestre zum einsatz?
Während das Männerrennen den Colle delle Finestre bereits fünfmal in seine Etappen integriert hat, ist dies ein historischer Moment für die Frauen. Namen wie Di Luca, Kiryienka, Froome und Harper haben hier ihre Spuren hinterlassen. Die Frage ist nun: Wer wird in den Geschichtsbüchern neben diesen Legenden stehen?
Die Strecke am morgigen Samstag ist kurz – nur 105 Kilometer von Rivoli nach Sestriere – doch die 2800 Höhenmeter, insbesondere die 1694 Meter auf dem Colle delle Finestre, machen diese Etappe zur Königsetappe. Die Konkurrenz ist groß: Die niederländische Fahrerin Annemiek van der Breggen führt die Gesamtwertung an, jedoch sind ihre Landsfrau Anna Vollering, die deutsche Katharina Niedermayer, Elisa Longo Borghini und Monica Trinca Colonel heiße Anwärterinnen auf den Gesamtsieg.
Der Finestre selbst ist eine Naturgewalt. 18,5 Kilometer lang, mit einer durchschnittlichen Steigung von 9,2 Prozent und einigen Abschnitten, die bis zu 14 Prozent steigen, ist er eine echte Hürde. Die ersten 10,7 Kilometer führen über Asphalt, bevor die Straße sich in einen 7,8 Kilometer langen, unbefestigten Abschnitt verwandelt – ein Test für die Technik und Nervenstärke der Fahrerinnen.
Doch der Finestre ist mehr als nur eine Straße. Er ist ein historischer Ort, der im 18. Jahrhundert von Militäringenieuren erbaut wurde, um die Festungen der Region zu verbinden. Das Fort Colle delle Finestre thront auf dem Gipfel und zeugt von der strategischen Bedeutung dieses Ortes. Hier, wo sich Fels und Himmel zu vermischen scheinen, herrscht eine Atmosphäre, die Ehrfurcht einflößt.
Die Vergleichswerte sprechen für sich: Das Tour de France erreichte erst 2017 den Izoard, 2023 den Tourmalet und plant für Juli den Mont Ventoux. Das Giro d'Italia Donne schreitet mutig voran und demonstriert damit den Fortschritt des Frauenradsports.
Die Erinnerungen an frühere legendäre Anstiege des Giro d'Italia Donne sind unvergessen: Fabiana Luperini auf dem Zoncolan 1997, Mara Abbott auf dem Stelvio 2010 und Annemiek van Vleuten ebenfalls auf dem Zoncolan 2018 – Leistungen, die den Maßstab für zukünftige Generationen gesetzt haben. Die Vam (Velocity Ascension Mean) von Van Vleuten auf dem Zoncolan im Vergleich zu den Männern zeigt eindrücklich das immense Leistungsniveau der Frauen.
Die italienischen Fahrerinnen Elisa Longo Borghini und Monica Trinca Colonel werden alles daran setzen, ihre Fans zu begeistern. Aber auch die anderen Fahrerinnen werden ihr Bestes geben, um an der Spitze mitzuhalten und Geschichte zu schreiben. Die Spannung ist greifbar, die Vorfreude groß. Der Colle delle Finestre wartet.
Denn am Ende zählt nur eines: Wer wird als Erste auf dem Gipfel stehen und den Blick über das atemberaubende Panorama schweifen lassen? Ein Sieg hier wäre nicht nur ein sportlicher Erfolg, sondern ein Symbol für die Stärke, den Mut und die Entschlossenheit der Frauen im Radsport.
