Spalletti zieht nach 4:0 den stecker: boga zu weich, yildiz braucht eine spitze
Ein Geburtstag wie aus dem Bilderbuch: Luciano Spalletti wird 67, seine Juve wirft Pisa mit 4:0 aus dem Stadion und hält Como und Roma im Nacken. Doch hinter dem Festival-Score steckt ein Trainer, der sogar seine Torschützen noch zurechtweist.
Thurams umarmung und die ungeliebte frisur
Alles begann mit einem 0:0 zur Pause. Kein Raum, kein Tempo, keine Idee. Spalletti rüttelt durch: Gatti raus, System umgestellt. „Ich hab sie zuerst schlecht reingestellt“, sagt er laut Sky und lacht, als wäre es ein Geheimrezept. Dann der Doppelpack von Thuram – und plötzlich fliegt Spalletti in die Arme seines Stürmers. „Ich wollte wieder diese Ciuffo-Euphorie spüren“, scherzt er. Die Mannschaft lacht mit, doch die nächste Bemerkung sitzt schon.
Boga trifft zum zweiten Mal in Folge, kassiert trotzdem ein vernichtendes „bravo, aber molle“. Spalletti: „Er hat diese explosive Qualität, doch wenn er nicht zubeißt, bleibt er ein Talent statt ein Angreifer, den man nie mehr einholt.“ Eine Ohrfeige, verpackt in ein Kompliment. Die Bank sei „kein Wartezimmer, sondern ein zusätzliches Stück Rasen“, mahnt er und fordert Intensität statt Instagram-Tore.

Yildiz und das problem mit dem engen raum
Dann der nächste Satz, der in den Kabinen bis Turin hallt: Kenan Yildiz darf zwar für David jubeln, doch Spalletti sieht ein System-Loch. „Wenn wir eine echte Spitze hätten, wäre er noch besser“, erklärt er. Der Deutsche liebt die Außenbahn, weil er den Gegner im Blick hat. In der Zentrale fehlt ihm der Rücken zum Tor – und die Kunst, sich den Mann vom Rücken zu schieben. „Im Engen muss man den Kurzpass-Dreher können, das fehlt uns ein bisschen“, sagt Spalletti und klingt plötzlich wie ein Taktik-Lehrbuch.
Die Zahlen sprechen für ihn: Seit der System-Umstellung nach Pause schoss Juve 18 Mal aufs Tor, kassierte null Gegentore und katapultierte sich auf vier Punkte Rückstand zur Champions-League-Ränge. Der Trainer feiert seinen 67. im Taktik-Fieber – und schenkt sich selbst nichts. „Ich brauch keinen Kuchen, nur drei Punkte“, sagt er. Die hat er, die Kritik gleich mitgeliefert.
