Pisa zerbricht in turin: hiljemark gesteht kollektiven kollaps nach 0:4 ein

Der Abstieg riecht nach kalter Realität. Pisa kassierte am Freitagabend im Allianz-Stadium eine 0:4-Klatsche gegen Juventus und rutschte auf Rang 18 der Serie A – nur noch zwei Punkte trennen die Toskaner vom sicheren Unterhaus. Oscar Hiljemark sprach nach dem Schlusspfiff von „55 guten Minuten“, doch die Wahrheit lautet: Danach zerplatzte seine Mannschaft wie ein Seifengasballon.

Die 55 minuten, die nichts wert waren

Juve-Trainer Luciano Spalletti hatte seine Startelf auf drei Positionen umgestellt – und sah zunächst ein Pisa, das mit Manndeckung gegen Khéphren Thuram und einem frühen 5-3-2 die Mitte zustellte. Bis zur 57. Minute hielten die Gäste die Null, weil Torhüther Nicolas den Eindruck erweckte, als habe er sich vorab mit Elfmeterkurs auf Netflix eingedeckt. Dann aber passte Andrea Cambiaso mit links außen vorbei, Pisa-Linksverteidiger Barba grätschte zu spät – 1:0. Die Wende dauerte 184 Sekunden. Thuram köpfte das 2:0, Yildiz schlenzte das 3:0 ins lange Eck, Boga legte nach einer Einzelaktion das 4:0 nach. Vier Tore in 18 Minuten, ein Debakel im Zeitraffer.

„Nach dem 1:0 sind wir zusammengebrochen, das ist bitter“, sagte Hiljemark bei DAZN. Der Schwede sprach leise, fast flüsternd, als wolle er die eigene Stimme nicht hören. „Wir haben Bälle vertändelt, keine zweiten Bälle geholt, die Abstände waren weg.“ Die Statistik bestätigt sein Geständnis: In Hälfte zwei gewann Pisa nur 28 Prozent der Zweikämpfe, Juve schoss acht Mal aus zentraler Position innerhalb des Strafraums.

Die tabelle lügt nicht – und die uhr tickt

Die tabelle lügt nicht – und die uhr tickt

Mit 22 Punkten aus 28 Spielen hat Pisa die schlechteste Rückrunde der Vereinsgeschichte eingestellt. Die Tordifferenz von minus 29 ist Liga-Boden. Das Restprogramm? AS Rom auswärts, Atalanta zu Hause, dann die Relegation. Sportdirektor Giuseppe Scienza flog eigens nach Turin, um „Stimmungstief zu analysieren“, wie es hieß. Was er sah, war ein Team, das nicht mehr an sich selbst glaubt.

Die Spieler verließen schnell den Mixed-Zone-Bereich, nur Hiljemark blieb. Er sprach von „Detailfehlern“, die „nicht mehr passieren dürfen“. Doch die Saison ist längst kein Detail mehr, sie ist ein Drama. Und die letzte Szene rückt näher.

Am Sonntag empfangen die Toskaner bereits den FC Bologna. Werden wieder 55 gute Minuten reichen? Die Antwort liegt in der Liga-Tabelle – und die lügt nie.