Slot steht in paris vor der letzten parade - liverpool spielt sich um den job
Anfield flüstert. Nicht mehr über Titel, sondern über den Tag danach. Arne Slot fliegt heute nach Paris, und mit ihm die Frage, ob er am Donnerstag noch Trainer des FC Liverpool ist. Seit dem 0:4 in Manchester schreibt die britische Presse nicht mehr über Taktik, sondern über Abflugzeiten. Die Rechnung ist simpel: Wer gegen den Titelverteidiger PSG ausscheidet, darf beim Rückflug Platz nehmen – und nicht mehr auf dem Bank.
Der holländer, der plötzlich ganz allein stand
Es ist erst ein Jahr her, da umarmte ihn der ganze Klub, weil er die Meisterschaft nach 19 Jahren wieder nach Liverpool holte. Heute sucht man nach Menschen, die sich noch mit ihm fotografieren lassen. Die Bilder vom FA-Cup-Debakel sprechen eine deutliche Sprache: Van Dijk starrte ins Leere, Salah schlug die Hände vors Gesicht, und Slot stand an der Seitenlinie wie ein Statist, der vergessen hat, dass die Kamera läuft. 60 Minuten, dann strömten die Fans in Scharen aus dem Stadion. John Aldridge schrieb später, er habe „noch nie gesehen, dass sich unsere Anhänger so früh abwenden“. Die Botschaft: Wir zahlen die teuersten Tickets Europas, aber wir zahlen keine Narren.
Die Zahlen sind gnadenlos. Seit Jahresbeginn holte Liverpool aus 13 Ligaspielen 13 Punkte. Die Tordifferenz fiel von +31 auf +9. Die einstige Festung Anfield: in dieser Saison schon fünf Niederlagen. Und die xGoals, diese neue Währung der Analysten, zeigen, dass die Mannschaft nicht nur Pech hat, sondern systematisch die zweite Welle verpasst. Wer so spielt, muss sich nicht wundern, wenn die Zeitungen vom „Sacking Territory“ sprechen.

Paris wird zum tribunal, nicht zum spiel
Slot selbst redet noch vom „Mentality Monsters“, aber die Monster sind leise geworden. In der Pressekonferenz klang er wie ein Lehrer, der weiß, dass die Klassenfahrt schon abgesagt ist, aber trotzdem die Koppliste durchruft: „Wir müssen gnadenlos verteidigen, wir müssen Chancen nutzen.“ Dabei weiß jeder, dass PSG ohne Mbappé schneller umstellt und mit Dembélé noch wahnsinniger wird. Die Frage ist nicht, wie Liverpool Paris stoppt, sondern wer danach noch Slot stoppen will.
Die Klubbosse halten sich bedeckt, aber hinter den Kulissen laufen bereits Gespräche mit Xabi Alonso. Der Bayer-Coach hat eine Ausstiegsklausel, er kennt die Premier League, und er kennt Liverpool. Die Rechnung der Verantwortlichen: Verliert man in Paris, ist der saisonale Schaden größer als die Ablöse für Alonso. Die Fans singen zwar noch „You’ll never walk alone“, aber sie meinen damit mittlerweile eher den Weg zum Terminal.
Slot trägt am Mittwoch also nicht nur die Koffer, sondern auch seine Zukunft in Handgepäck. Ein Auswärtssieg gegen PSG wäre der größte Europacup-Coup der Klubgeschichte. Gleichzeitig wäre es die letzte Bürgschaft für einen Trainer, den die eigenen Anhänger schon verabschiedet haben. Paris wird nicht einfach ein Spiel. Es wird ein Tribunal. Und die Richter sitzen nicht nur in der VIP-Loge, sondern auch in den sozialen Netzwerken, in den Kneepubs von Anfield und in den Büros der Telex-Redaktionen. Das Urteil steht offenbar schon fest. Es wird nur noch nach dem Datum gefragt.
