Skisprung-bundestrainer bleibt vakant: dsv verpasst eigenen stichtag
Planica – Die Entscheidung sollte fallen, bevor Stefan Horngacher seine letzte Landung als Chefcoach absolviert. Stattdessen flatterte am Sonntag nur kalter Föhn über die Schanze. Der Deutsche Skiverband hat sich selbst verstreichen lassen.
„Wir stehen direkt vor der Zielgeraden, aber wir sind noch nicht drüber“, sagte Horst Hüttel, Sportdirektor des DSV, im ZDF-Feuilleton aus Planica. Sein Satz klang wie ein Eigentor in die Mikrofone. Der Verband hatte intern „Mitte März“ als Deadline genannt – intern, weil offizielle Termine offenbar nichts wert sind.

Thurnbichler schwenkt ab, sobczyk wird heiß
Thomas Thurnbichler, lange als Top-Favorit gehandelt, zieht sich zurück in den B-Kader. Der Österreicher will lieber dort weitermachen, wo er ungestört arbeitet, statt sich die deutsche Medienmaschine an die Fersen zu binden. Wer springt ein? Grzegorz Sobczyk, Pole, bisher verantwortlich für Wladimir Sografski. Der Bulgare trainiert als Ein-Mann-Delegation mitten unter den DSV-Adlern – ein Arrangement, das jetzt zur Bühne für eine unfreiwillige Casting-Show wird.
Horngacher selbst wirkt gelöst. Nach dem letzten Weltcup-Springen seiner Amtszeit schüttelt er die Hände seiner Athleten, als wäre nichts gewesen. Dabei fehlt ihm seit Wochen die Antwort auf die einfachste Frage: Wer übernimmt? Die Verbandsspitze redet sich mit „Seriosität“ heraus, doch dahinter steckt plain vanilla Chaos.
Die Athleten reagieren mit professioneller Leere. „Wir springen, egal wer hinten steht“, sagte Karl Geiger, als hätte er den Satz vorher eingesprochen bekommen. Dabei wissen alle: Ein Trainerwechsel kurz vor der Sommer-Vorbereitung kann eine Saison versenken. Die Konkurrenz aus Norwegen, Österreich und Slowenien dürfte in den nächsten Wochen schon die nächsten Saisonpläne skizzieren, während Deutschland auf eine Entscheidung wartet, die längst hätte fallen müssen.
Horst Hüttel verspricht: „Es wird nicht mehr lange dauern.“ Die Fans haben das schon im Januar gehört. Solange das Amt vakant bleibt, wächst der Druck – und die Glaubwürdigkeit des DSV schrumpft mit jedem Tag, an dem die Zielgerade zur Endlosschleife wird.
