Skandal erschüttert slavia prag: polizei rollt wettmafia im profifußball auf

Die Handschellen klickten um 6.00 Uhr. Mehr als 40 Profis, Schiedsrichter und Funktionäre – darunter ein frisch verpflichteter Bundesliga-Spieler von Slavia Prag – sitzen jetzt in Untersuchungshaft. Eine Razzia, die laut David Tundra, Präsident des tschechischen Verbandes, die größte in der Geschichte des Landes ist.

Der virus sitzt in mähren

99 Prozent der Manipulationen passieren im Osten des Landes, in der Region Mähren. Drei Jahre lang belog ein ringförmiges Netz aus Buchmachern, Spielern und Schiris die Fans, die Quote und schließlich die Justiz. Nun rächt sich die Geduld der Ermittler: Europol und Interpol werteten Handydaten aus, die NCOZ – die tschechische Sonderkommission gegen Organisierte Kriminalität – schlug zu.

Die Spur beginnt in der vierten Liga und führt bis in die U-19-Meisterschaft. Ein A-Jugend-Coach soll seine eigenen Spieler auf Siege der Gegner gesetzt haben, zwei Unparteiische gaben angeblich per Headset den genauen Zeitpunkt der nächsten Gelben Karte durch. Die Abrechnung ging per Kryptowallet – bis die Blockchain-Analysten der Taskforce „Sport-Security“ die Transaktionen rückwärts lasen.

Für slavia wird es eng

Für slavia wird es eng

Slavia Prag muss nun binnen 24 Stunden den neuen Stürmer wieder abmelden, dessen Namen die Prager Boulevardzeitung iSport.cz bereits veröffentlichte. Die Lizenzkommission der Fortuna Liga droht mit Punktabzug und Wildcard-Sperre für die Qualifikation zur ChampionsLeague. Club-Boss Jaroslav Tvrdík sprach von „einem schwarzen Tag für den tschechischen Fußball“, schob aber die Verantwortung auf „einzelne kriminelle Elemente“.

Die Fans sind weniger gnädig. Auf dem Twitter-Hashtag #SlaviaGate kursieren Videos, in denen Anhänger ihre Dauerkarten zerreißen. Die Klub-Fanpage verlor binnen Stunden 30 000 Follower. Ein Fan kommentierte lapidar: „Wir wollten Tore sehen, keine Korruptionsakte.“

Die Justiz bleibt hart: Die Staatsanwaltschaft in Olomouc klagt wegen bandenmäßigen Betrugs und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Die Strafrahmen: fünf bis zwölf Jahre. Die Botschaft ist klar: Wer das Spiel verkauft, landet hinter Gittern – egal, wie viele Tore er je schoss.