Sinner und alcaraz trainieren im bernabéu: madrid macht das unmögliche wahr

Jannik Sinner tritt auf Rasen, auf dem sonst Vinicius dribbelt. Carlos Alcaraz schlägt Bälle, wo Mbappé sonst jubelt. Zwischen dem 20. April und dem 3. Mai verwandelt sich das Santiago Bernabéu in eine Tennis-Arena – nicht für Matches, sondern für Trainingsplätze. Die Caja Mágica bleibt Spielort, doch die Stars schlagen vor dem Matchtag im Königlichen nach.

Warum der umzug sinn macht

Warum der umzug sinn macht

Die Spieler logieren im Hotel Castellana 200 Meter vom Stadion entfernt. Statt 45 Minuten Stau zur Caja Mágica sind es fünf Minuten zu Fuß. Die ATP rechnet: 90 Minuten mehr Schlaf, null Stress. Ein zweiter Grund ist das Image. „Wer einmal im Bernabéu trainiert hat, erzählt es seinem Enkel“, sagt Tournament Director Feliciano López. Dritter Grund: Das Stadion ist leer. Real empfängt Alavés am 21. oder 22. April, danach steht es bis Mitte Mai still. Viertens: 1,3 Milliarden Euro stecken in der Renovierung – ein Drittel über Budget. Konzerte sind wegen eines Gerichtsverbots weg, NFL-Spiele allein reichen nicht. Der Tennis-Deal bringt vier Millionen Euro Mieteinnahmen in zwei Wochen – ein Fünftel des jährlichen Ziels.

Doch es gibt einen Haken. Das verschließbare Dach bleibt seit Sommer 2024 zu. Offizielle Begründung: „technische Wartung“. Intern heißt es, die Steuerung der 1.000-Tonnen-Schneisen funktioniere nicht einwandfrei. Im Juli kochten die Spieler bei 38 Grad unter geschlossenem Metallhimmel. Die ATP verlangt nun 30 °C Maximaltemperatur auf dem Platz. Kein Problem, sagt Real, „wenn wir das Dach öffnen“. Ob es klappt, entscheidet sich erst 48 Stunden vor dem ersten Training. Sollte es geschlossen bleiben, droht Glashaus-Effekt – und ein PR-Desaster.

Sinner selbst spielt das herunter. „Ich bin kein Fußballfan, aber das Feeling hier ist irre“, sagt er nach einem Video, das ihn mit Keepie-uppie zeigt. Die ATP postete daraufhin: „Nationalmannschaft ruft!“ Die Nummer eins der Welt lacht, verschwindet in der Kabine – und schlägt eine Stunde später 120 Schläge in Folge auf dem Center-Court-Platz, den der Klub extra aus Südafrika eingeflogen hat. 120 Tonnen Asche, 80 Tonnen Sand, alles in einer Woche verbaut. Der Rasen rollt auf einer unterirdischen Schiebeplatte heran, wie ein riesiges Teleskop. Das Ganze ist ein Testlauf: Sollte es funktionieren, plant Real für 2026 ein ATP-500-Turnier im eigenen Stadion – ohne Umzug, ohne Caja Mágica.

Die Zahren sprechen für sich: 16.000 Tickets für das Training am 24. April waren innerhalb von 23 Minuten ausverkauft. Der Preis: 45 Euro pro Stunde Zuschauen. Die Madrider Bürgermeisterin ruft bereits „Sommer der Sporte“ aus. Und Sinner? Der hat schon wieder andere Sorgen. „Wenn ich hier gewinne, muss ich wohl Vinicius’ Trikot tragen. Aber nur, wenn er meins nimmt.“ Die Verhandlung läuft.