Sinner erobert indian wells: doppeltiebreak-krimi gegen medvedev
Erst 0:4 im zweiten Tiebreak, dann sieben Punkte am Stück – Jannik Sinner hat sich am Sonntagnacht in der kalifornischen Wüste mit einer Demonstration mentaler Stärke in die Geschichte geschrieben. Der 24-jährige Südtiroler besiegte Daniil Medvedev 7:6 (8:6), 7:6 (7:4) und holt nach 1:58 Stunden seinen ersten Masters-Kracher in Indian Wells.
Die Zahl, die alle Sprachrohre verstummen lässt: Seit dem 0:4 im zweiten Tiebreak gewann Sinner alle verbleibenden sieben Punkte. Kein Ballwechsel war länger als acht Schläge, doch jeder davon trug die Handschrift eines Weltklassespielers, der die Kontrolle übernahm, als andere bereits die Köpfe sinken lassen.
Medvedevs trost: alcaraz-aus und die rückkehr in die top 10
Für Medvedev bleibt die Nacht dennoch halbwegs süß. Der Russenkoloss schickte im Halbfinale Carlos Alcaraz nach Hause und klettert morgen wieder in die Top 10 der ATP-Weltrangliste. „Ich spielte drei Wochen lang großes Tennis, nur heilte der letzte Punkt nicht“, sagte er mit jenem trockenen Lächeln, das seine Fans kennen. Die Saison ist lang, und wer Indian Wells erreicht, der darf in Miami, Monte Carlo und Rom wieder von vorn beginnen.
Sinner selbst blickte nach dem letzten Aufschlag erst einmal in die Lichter der Nacht über dem Indian Wells Garden. „Ich wusste, dass ich zittern würde, aber ich wusste auch, dass ich zittern kann“, sagte er. Es klingt simpel, ist aber die Essenz eines Spielers, der in diesem Frühjahr schon 17 Matches in Folge gewonnen hat und nun sechs der neun Masters sein Eigen nennt. Fehlen noch Monte Carlo, Madrid und Rom – Statistiker wissen, was das bedeutet.

Der blick nach vorn: miami wartet, djokovic sagt ab
Während Sinner den Pokar in den Nachthimmel hielt, sickerte durch: Novak Djokovic wird in Miami fehlen. Schulterprobleme. Die Konkurrenz wird eine Spur leichter, doch das interessiert den Italiener kaum. Er fliegt heute Mittag nach Florida, schläft vielleicht zweieinhalb Stunden und beginnt dann das nächste Kapitel. Wer so jung ist und schon so viel gewinnt, der hat keine Zeit, sich länger als eine Nacht zu feiern.
Die Wüste hat ihren neuen König. Und der trägt keine Krone, sondern einen Schläger, der in den letzten Punkten dieses Finals schneller schwang als die Gedanken seiner Gegner.
