Simpson-pusey fliegt raus – köln droht der absturz

Zwei Spiele Sperre, keine Alternative. Jahmai Simpson-Pusey muss zuschauen, wie der 1. FC Köln gegen Hamburg und Gladbach um die letzte Luft im Keller der Bundesliga kämpft – und das, weil der Leihverteidiger tief in der gegnerischen Hälfte mit der Sohle in Maximilian Beiers Achillessehne grätschte. Rot, Video, Spielverlauf kaputt.

Die karte, die alles verschärft

Kwasniok hatte gerade den Knoten in der Abwehr halb gelöst: Dominique Heintz kehrte nach Muskelproblemen zurück, doch neben ihm steht nun wieder Luft. Timo Hübers und Luca Kilian fallen seit Wochen aus, Joël Schmied und Sebastian Sebulonsen ziepen sich von Zerrung zu Zerrung. Die Statistik ist gnadenlos – 42 Gegentore nach 25 Spielen, nur drei Klubs kassierten öfter. Wer so viel einsteckt, landet auf Platz 16. Punktgleich mit Pauli, nur noch zwei Zähler Vorsprung auf Dortmunds nächsten Gegner, den HSV.

Samstag um 18.30 Uhr rollt der Ball in der Volksparkhitze. Dort gewann Köln zuletzt 2018, danach drei Pleiten, eine 0:5-Demontage inklusive. Die Hanseaten haben seit dem Aufstieg die zweitbeste Heimbilanz der Liga, Torschützenkönig Glatzel traf in seinen letzten fünf Partien viermal. Wenn sich die Abwehrreihen nicht verengen, wird der FC früh auf Verdacht klopfen.

Trippels wutruf und der dfb

Trippels wutruf und der dfb

Die Lage ist prekär, doch Nebengeräusche überschlagen sich. Stadionsprecher Michael Trippel griff über Mikrofon nach scharfen Worten – „Pfui. Widerlich“ – und bescherte dem Verein ein DFB-Verfahren wegen unsportlichen Verhaltens. Der FC ruderte zurück, Trippel entschuldigte sich, doch die Entscheidung fällt erst im April. Neben dem sportlichen Abstiegskampf droht also auch ein möglicher Punktabzug. Keine gute Kombination für einen Klub, der seit fünf Spielen sieglos ist und nur einen Zähler aus dieser Mini-Serie holte.

Die simple Rechnung: vier Tage nach Hamburg gastiert Gladbach im RheinEnergieStadion – das Derby, das die Saison seit Jahren entweder rettet oder versenkt. Simpson-Pusey wird fehlen, vielleicht auch Kilian und Schmied. Wer hinten aufrückt? Neuzugang Heintz, Ersatzkapitän Hector, 19-jähriger Carstensen – ein Notprogramm mit Pioniercharakter. Kwasniok muss improvisieren, die U23 steht in den Startlöchern, doch Talent allein stoppt keinen Pléa oder Weigl.

Die Fans spüren den Druck. 48 000 Karten für Gladbach sind restlos weg, die Südkurve probte bereits ein Choreo-Motiv: „Zwei Spiele – zwölf Punkte Leben.“ Die Rechnung ist durchsichtig: sieben Punkte aus den Duellen gegen HSV und Gladbach würden Köln auf 31 Zähler katapultieren, historisch sicher, aber noch lange kein Freifahrtschein. Die letzten fünf Saisons zeigen: wer auf 31 Punkten stand, musste trotzdem bis zum Finale zittern.

Simpson-Pusey, frisch von Manchester City geliehen, erlebte seine rasante deutsche Blitzkarriere. Drei Ligaspiele, ein Assist, eine Karte, zwei Spiele Pause. Die Leihe sollte Erfahrung bringen – jetzt kostet sie den FC kurzfristig Stabilität. Die Verantwortlichen halten an ihm fest: „Er hat Potential, wird lernen“, sagt Geschäftsführer Keller. Gelernt wird aber auf der Bank, nicht auf dem Platz. Und die Zeit wird knapp. Noch neun Spieltage, acht Punkte Rückstand auf Platz 15.

Die Saison schreibt ihre düstersten Kapitel gerade im März. Köln kennt dieses Finale: 2003, 2006, 2012 – drei direkte Abstiege, zwei Relegationsdramen. Die Stadt schmeckt den Druck, die Medien schalten auf Dauerdrossel. Doch wer jetzt nach unten schaut, landet dort. Die Mannschaft muss nach vorne schauen – ohne ihren jungen Verteidiger, dafür mit der Gewissheit, dass ein Punkt gegen Hamburg schon ein halber Rettungsschirm wäre. Alles andere wäre Selbstinszenierung auf Kante vonseiten des Abstiegs.