Simon strakeljahn packt es: tsg bielefeld verliert kapitän und 205 tore

Simon Strakeljahn geht. Nach zwei Saisons, 44 Spielen und 205 Treffern für die TSG A-H Bielefeld zieht der 27-jährige Rückraumshooter die Reißleine – ausgerechnet, als der Drittligist nach dem starken dritten Platz der Vorsaison den nächsten Schritt wagen will. Sein Grund: Familie, Polizeistudium, kein Platz mehr für Handball auf Leistungsniveau.

Die Zahlen lügen nicht: Strakeljahn war in Bielefeld sofort Kapitänsmaterial, führte die Mannschaft mit 4,7 Treffern pro Pflichtspiel an – und das mit einer Trefferquote, die ihn zur Konstante im offensiven Räderwerk machte. Nun endet sein Vertrag im Sommer 2026, doch schon jetzt ist klar: Es wird keine Verlängerung geben. „Ich kann das Pensum nicht mehr stemmen“, sagt er. Punkt. Aus. Ende.

Ein führungsspieler, der keinen kompromiss mehr macht

Christian Sprdlik, Geschäftsführer der TSG, bestätigt: „Simon kam auf uns zu.“ Kein Streit, kein Streik, kein Transferwunsch – nur eine ehrliche Abrechnung mit der eigenen Zeit. Polizeistudium, zwei kleine Kinder, Training dreimal die Woche plus Videoanalyse, Kraftzirkel, Auswärtstrips nach Lemgo oder Hamburg. Strakeljahn reicht es. „Wir respektieren das“, sagt Sprdlik, doch hinter den Kulissen dürfte der Puls höher schlagen: Mit ihm verschwindet nicht nur Torgefahr, sondern auch die Stimme im Kabinengang, die Ruhe in Druckphasen, der Typ, der Nachwuchskräfte anschnauzt und Altstars beschwichtigt.

Neuer Trainer Arjan Haenen muss nun umplanen. Der Niederländer kam im Sommer, um genau jene Mentalität zu verankern, die Strakeljahn verkörpert. Stattdessen verliert er seinen „Mister Zuverlässig“ vorzeitig. „Er hat Verantwortung getragen, wo andere nur reden“, sagt Haenen. Die TSG wird auf dem Transfermarkt keine 1,90 m-Großkaliber finden, die sofort 200 Tore plus Führungscharisma mitbringen. Die Suche läuft, doch intern ist man realistisch: Mehrere Kandidaten sollen das Loch stopfen, keiner wird es flicken.

Strakeljahn selbst bleibt bis 2026 – dann schluss

Strakeljahn selbst bleibt bis 2026 – dann schluss

Bis dahin will er noch einmal Vollgas geben. „Mein Fokus liegt auf den verbleibenden Spielen“, betont er. Die TSG peilt die Aufstiegsrelegation an, Strakeljahn könnte zum Schlussakteur werden, bevor er sich in die Zivilkluft der Polizei begibt. Für Bielefeld bleibt ein bittersüßer Nachgeschmack: Erst die euphorische Saison, dann der Abriss der eigenen Identifikationsfigur. Die Fans werden ihm danken – und gleichzeitig fragen, wer künftig die Kreisliga-Abwehr auseinander nimmt, wenn es eng wird.

Die Moral von der Geschichte: Selbst in der 3. Liga Nord-West kann man sich als Spieler verlieren – an Zeitplänen, an Familie, an das Leben neben dem Feld. Strakeljahn trifft die wohl wichtigste Entscheidung seiner Karriere: Er hört auf, bevor ihn der Sport auffrisst. Für Bielefeld beginnt ein Neuanfang ohne ihren Topscorer. Und für die Liga heißt es: Ein Scharfschütze weniger, der die Netze zerrissen hat.