Simeone zieht ohne notnagel in den krieg – bernabéu-fieber ohne oblak
Kein Jan Oblak, kein Pablo Barrios, kein Jonny Pérez: Atlético reist mit drei Löchern im Kader zum 215. Madriler Derby. Diego Simeone schickt eine improvisierte Truppe ins Bernabéu, die zwischen Champions-League-Traum und Saison-K.O. schwankt.
Musso statt mauer – tor ohne kommandostimme
Der slowenische Ausputzer fehlt erstmals seit 2017 in einem Liga-Derby. Juan Musso, erst 48 Stunden nach seinem glanzvollen Auftritt gegen Chelsea zum Kader gestoßen, bekommt die Bühne, auf der Keeper-Legenden wie Cech, Casillas oder Courtois einst glänzten. Ohne Oblaks Schiri-Gebrüll verliert Atlético nicht nur einen Elfmeter-Experten, sondern auch die lautstarke Seele der Defensive.
Barrios, Youngster mit Zehnorklasse, sitzt tribüne – seine robuste Präsenz fehlt im Zentrum. Koke wird wohl zurück in die Doppelsechs rutschen, Marcos Llorente könnte erneut als Schein-Achter neben Rodrigo de Paul agieren. Die Frage lautet: Wer deckt Bellingham? Giménez oder Le Normand rücken für die angeschlagene Innenverteidigung ein, doch keiner von beiden bringt Barrios' Tempo beim Umschalten mit.

Derby-bilanz spricht gegen rojiblancos
Die Zahlen sind gnadenlos: In den letzten beiden Aufeinandertreffen kassierte Atlético sieben Gegentore. Das 2-5 im Metropolitano war die höchste Heim-Pleite gegen den Stadtrivalen seit 1963. Auch der Supercup-Sieg (2-1) in Saudi-Arabien nützt wenig, wenn man die Tabelle betrachtet: Ein Verlust heute Nacht würde den Vorsprung von Real auf zwölf Punkte erhöhen – Meisterschaft vorzeitig ad acta.
Julio Díaz, 19-jähriger Linksverteidiger aus der Cantera, komplettiert die Not-Liste. Mit ihm und den Ersatzkeepern Esquivel und De Luis reisen drei Academy-Kids ins Stadion, in dem sie sich sonst nur im FIFA-Modus austoben dürfen. Für sie beginnt der Traum, für Simeone beginnt der Balanceakt.
Anstoß 21.00 Uhr, Santiago Bernabéu. Atlético braucht einen Sieg, um Anschluss an Villarreal (Platz 3) zu halten und die Meister-Zone nicht endgültig aus dem Blick zu verlieren. Die Marschroute ist klar: früh stören, Madrid den Rhythmus nehmen und Morata in die Spitze schicken, bevor Vinícius und Rodrygo die Außenbahnen entern. Doch wenn Musso bei der ersten Ecke zögert, wenn Koke die Orientierung verliert, wenn Le Normand einen Schritt zu langsam ist – dann wird die Nacht zur Geduldsprobe für 75.000 Rojiblancos im Herzen der Hauptstadt.
Ohne ihre drei tragenden Säulen muss Atlético heute beweisen, dass der Kollektiv-Geist stärker ist als individuelle Ausfälle. Ein Punkt wäre ein kleiner Sieg, eine Niederlage würde die Scharte aufreißen, die sich seit dem 5-2 nicht mehr schließen will.
