Serbien taumelt, deutschland zittert: die wm-quali wird zur roulette-drehung

Nach vier Spieltagen ist klar: Einer der letzten drei EuroBasket-Gastgeber wird 2027 fehlen. Serbien, Italien oder Litauen – immerhin 13 Medaillen aus den letzten fünf Großturnierenmüssen im Frühjahr von der Couch träumen. Die Türkei hat den ersten Schlag versetzt, Deutschland darf noch hoffen, doch die Luft wird dünner.

Serbien steckt im k.o.-kreis

Mit zwei Niederlagen gegen die Türkei hat Aleksandar Đorđević die Gruppe C verspielt. Die Folge: 2-2-Bilanz, dazu das Worst-Case-Szenario am 5. Juli gegen Bosnien. Verliert Belgrad erneut, rutscht es auf Platz fünf – und die direkte Konkurrenz aus Ankara, Zagreb und Vilnius wartet schon. Die FIBA-Welt rangiert Serbien noch auf Position sieben, doch die Live-Stats zeigen ein Minus-9 im Korbverhältnis, das tiefer brennt als jedes Ranking.

Italien schlitterte gegen Island ins Straucheln, Litauen kassierte einen 19-Punkte-Rückschlag in Manchester. Beide haben die Play-off-Tür noch offen, aber der Terminplan ist ein Moloch: 48 Stunden nach dem Duell in Panevėžys geht’s nach Istanbul – und die Türkei hat seit September 2022 keine Quali mehr verloren.

Deutschland darf nicht pfeifen

Deutschland darf nicht pfeifen

Gordon Herbert hat den Kader verjüngt, doch die Frage bleibt: Wer schiebt die Punkte, wenn Franz Wagner erneut mit Rückenproblemen ausfällt? Gegen Israel am 3. Juli droht die erste echte Stresssituation. Polen führt ungeschlagen, Kroatien lauert mit dem gleichen 3-1 wie das DBB-Team. Die Head-to-Head-Bilanz gegen die Kroaten ist negativ (-8), also zählt jeder Korb.

Lettland ist das warnende Beispiel. Nach dem Viertelfinaleinlage in Jakarta schien der Einzug nach Katar Formsache. Dann kam die 70-83-Pleite gegen die Niederlande – und plötzlich steht die Mannschaft von Luca Banchi auf dem Abstellgleis. Die Quali ist kein Selbstläufer, das hat auch Frankreich erfahren. Vincent Collet musste nach dem Debakel in Helsinki seine Rotation umstellen, jetzt reicht schon ein Ausrutscher in Tampere, um Finnland an die Spitze zu schieben.

Die daten, die niemand hören will

Die daten, die niemand hören will

Im Schnitt fallen 158 Punkte pro Spiel – die höchste Offensivzahl seit der Einführung des neuen Modus. Wer nicht mindestens 81 trifft, verliert zu 83 %. Die Türkei schafft 87, Spanien 89, Deutschland 84. Serbien kommt nur auf 79 – und das bei einer Defense, die sonst als Stahlgürtel galt. Die Folge: vier Gegner über 80 Punkte, drei Siege davon mit einem Dreier in letzter Sekunde.

Die zweite Runde wird zur Geduldsprobe. Vier Sechserteams, nur drei Tickets – und die Ausbeute aus dem ersten Durchgang reist mit. Das bedeutet: Ein 0-2-Start im November 2026 kann selbst eine 4-0-Ausgangslage zunichte machen. Die FIBA hat den Druck erhöht, die Nationen antworten mit kürzeren Bänken und längeren Flügen. Der Gewinner heißt Schlafmangel.

Am 2. März 2027 steht der letzte Buzzer. Dann wird einer der Traditionsriesen fehlen – und die Fans werden sich fragen, ob die Reform wirklich die stärksten Teams belohnt. Die Antwort lautet: Nein. Sie belohnt die, die in 48 Stunden die bessere Antwort auf Jetlag und Kaderfragen finden. Die Quali ist längst kein Basketballklassiker mehr, sie ist ein Endspielmarathon. Wer zuerst schnauft, fliegt.