Senegal zieht vor den cas: afrika-cup-trophäe soll zurück – das spiel ist gelaufen, der streit nicht
Die Trophäe steht in Dakar, doch der Stempel steht in Rabat. Der senegalesische Fußballverband will die Entscheidung, die den Afrika-Cup 2026 nachträglich an Marokko verlieh, vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS zerrissen sehen. Die Berufungskommission der CAF hatte das Finale mit 3:0 für die Gastgeber gewertet, weil Teile der senegalesischen Mannschaft in der Nachspielzeit die Flucht in die Kabine ergriffen. Nun droht ein juristisches Nachspiel, das die Geschichtsbücher umschreiben könnte.
Warum der schiedsrichter senegal retten könnte
Die Regel 5.2 der IFAB besagt klar: Die Entscheidung des Referees über das Endergebnis ist „endgültig“. Jean-Jacques Ndala Ngambo ließ die Löwen nach ihrem Boykott-Trip zurück auf den Rasen und spielte die Partie zu Ende – 0:0, Elfmeter, Senegal siegt. Erst zwei Monate später schwenkte die CAF-Justiz und wertete das Spiel doch ab. Doch genau diese Nachspielaktivität des Schiedsrichters liefert Senegal Munition: Wenn Ngambo die Partie für beendet erklärt hätte, stünde jetzt nichts mehr zu Debatte. Weil er es aber nicht tat, klafft eine Rechtslücke, durch die sich Dakar mit Hilfe der IFAB-Autoritätsklausel quetschen will.
Die Paragrafen-Choreografie dahinter ist haarsträubend. Artikel 84 des Afrika-Cup-Reglements verdonnert einen Verband bei vorzeitigem Platzverlassen zur 0:3-Strafwertung. Allerdings: Artikel 44.5 macht Entscheidungen des Disziplinarausschusses während des Turniers „endgültig und unanfechtbar“, sofern sie nicht auf Schiedsrichter-Beruhen basieren. Der Januar-Bescheid war knapp formuliert, eine Begründung, ob das Protokoll des Referees Grundlage war, fehlt. Marokkos erfolgreiche Berufung basiert auf einem juristischen Blindflug – und genau dort setzt Dakar an.

Die trophäe bleibt vorerst in dakar – und das zählt
Praktisch hat sich nichts bewegt: Die Pokal-Gala in Dakar wurde nicht abgesagt, die Medaillen nicht eingezogen. Sollte der CAS Senegal stattgeben, wäre der 0:3-Wert null und nichtig, der ursprüngliche Elfmetersieg wieder wertvoll. Die CAF müsste offiziell den Fehler eingestehen, ein Schaden, den Verbandschef Motsepe mit allen Mitteln vermeiden will. Dakar wiederum spielt das Pokerspiel mit offenen Karten: Entweder die Trophäe bleibt, oder die CAF zahlt Schadenersatz für reputations- und marketingbedingte Millionenverluste.
Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Juristen in Lausanne dem Rasen oder dem Papier mehr Gewicht einräumen. Die Botschaft steht jetzt schon fest: Wer glaubt, Fußball würde auf dem Platz entschieden, kennt die Fallgruben der Bürokratie nicht. Der Sieg von Senegal war laut, spektakulär und emotional – der mögliche juristische Sieg wird leise, zäh und teuer. Dakar setzt auf Letzteres, und das ist weit mehr als ein Stück Metall. Es geht um nationale Ehre, um Sponsorenverträge und um die Frage, ob ein Schiedsrichter nach 90 Minuten noch einmal die Macht hat, Geschichte umzuschreiben. Die Antwort liegt in der Schweiz – und bis dahin blinkt die goldene Trophäe im Präsidialpalais, als gehöre sie Senegal für immer.
