Senegal spielt den pokal nicht her: cas droht 3:0-niederlage und medaillen-umtausch

Die Afrikafinal-Posse wird zum juristischen K.o.-Schlag für Senegal. Der CAS in Lausanne prüft, ob die Löwen die Afrika-Copa am 17. März rechtswidrig gewannen – und droht ihnen eine 0:3-Auferlegung sowie die Rückgabe des Pokals an Marokko.

Die Confédération Africaine de Football (CAF) hatte Marruecos nachträglich zum Champion erklärt, weil Teile der senegalesischen Mannschaft den Platz vor dem Schlusspfiff verlassen hatten. Die Begründung: Verstoß gegen Artikel 82 und 84 des Wettbewerbsreglements – Verweigerung des Spiels und anschließende 3:0-Sanktion. Senegal zog sofort vor das Tribunal Arbitral du Sport (TAS).

Die regel, die senegal einholt

„Ein Team, das sich weigert zu spielen oder das Feld ohne Erlaubnis des Schiedsrichtersverlässt, gilt als perdu“, zitiert Romain Bizzini, internationaler Fachanwalt für Sportrecht, die entscheidende Klausel. Die CAF-Appellationskammer stufte das Verhalten als Verweigerern und wertete die Partie um. Details des Verfahrens bleiben geheim – ein Fakt, der Dakar neue Argumente liefert.

Warum erst zwei Monate später? „Keine Frist vorgesehen, außer einer halbjährlichen Untersuchungsphase“, sagt Bizzini. Die Kammer habe sich Zeit genommen, alle Seiten anzuhören. Jetzt liegt der Ball beim CAS.

Senegals hoffnung: es gab kein komplettes team auf dem rasen

Senegals hoffnung: es gab kein komplettes team auf dem rasen

Drei Spieler standen noch auf dem Platz, als die restliche Equipe abdankte. Dakar wird argumentieren, dass der „Geist“ der Regel nur greift, wenn ein Team endgültig aufgibt – was nicht geschehen sei. Zudem könne von „Mannschaft“ keine Rede sein, wenn nur drei Akteure verbleiben. Doch IFAB-Regel 3.1 verlangt mindestens sieben Spieler für einen Fortlauf des Spiels. „Eine strenge Auslegung spricht gegen Senegal“, bilanziert Bizzini.

Die Chancen auf einen Erfolg der Klage: „Sehr gering“, sagt der Jurist. Das TAS urteilt zunächst über Rechtsfragen; Sachverhalt und Norm passen zusammen.

Kein wiederholungsspiel, nur trost für marruekos

Kein wiederholungsspiel, nur trost für marruekos

Eine Neuauflage des Finals? „Nicht vorgesehen“, klärt Bizzini auf. Die 3:0-Strafe ist laut Regel zwingend. Sollte das TAS die CAF bestätigen, muss der senegalesische Verband den Pokal abliefern und die Medaillen umtauschen – ein Prozedere ohne Parole.

Der Fall könnte aber die Lehrbücher füllen. Bisher galten Präzedenzfälle für Teams, die komplett die Weigerung erklärten. Hier verließ nur ein Teil den Platz – und kehrte nicht zurück. „Die CAF könnte ihre Statuten anpassen: klare Rückkehr-Fristen und eine sieben-Mann-Definition“, prophezeit Bizzini.

Die nächste Anhörung steht bevor. Für Senegal wird es eng. Für Marruekos könnte der erste Afrika-Cup-Titel amtlich perfekt gemacht werden – und ein neues Kapitel Sportrecht aufgeschlagen werden, das Vereine weltweit warnt: Wer den Platz verlässt, verliert mehr als nur drei Punkte.