Bastoni sprintet richtung halbfinale – gattuso darauf hoffen
Alessandro Bastoni trabte gestern Abend auf dem Nebenplatz von Coverciano, begleitet von Fitnesstrainer Claudio Fiorinelli. Der Inter-Verteidiger blieb nicht stehen, als er an Rino Gattuso, Vize-Captain Riccio und der medizinischen Abteilung vorbeikam – ein kurzer Satz, ein Lächeln: „Der Schmerz ist machbar.“ Die Botschaft des kurzen Gesprächs: Die Sprunggelenksprellung verliert an Macht, das Play-off-Halbfinale gegen Nordirland am Donnerstag in Bergamo ist nicht länger ein Traum, sondern eine Option.
Chiesa fällt, scamacca laboriert – bastoni lichtet den nebel
Für Gattuso ist das mehr als ein Symbol. Federico Chiesa sagte ab, Gianluca Scamacca schaffte gestern nur Laufstrecke statt Ballarbeit. Die Offensive der Squadra Azzurra droht, sich in Rekordzeit zu dezimieren. Bastonis Comeback wäre daher kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Die Innenverteidigung besteht derzeit aus Mancini, Calafiori und dem jungen Gatti – eine Mischung aus Erfahrung und Experiment. Bastoni würde Stabilität und Spielaufbau geben, seine linke Führung ist im Build-up unterschätzt.
Die Zahlen sprechen für ihn: 91 Prozent Passquote in dieser Saison, 237 Pässe pro 90 Minuten, die meisten unter Druck. Ohne ihn verlor Inter in den letzten drei Pflichtspielen 65 Prozent der Zweikämpfe im linken Halbraum. Gattuso kennt die Statistik, deshalb ließ er Bastoni gestern zwei Runden um Feld eins drehen, statt ihn im Hotel zu lassen. Kein Test, ein Statement.

Die stimmung im lager – zwischen banner und befürchtungen
Nach der Einheit versammelten sich 40 Anhänger vor dem Tor. Ihr Spruchband: „Siamo pronti alla morte – l’Italia chiamò.“ Der Kriegsvergleich ist geschmacklos, aber er zeigt den Druck. Die Qualifikation für die WM 2026 steht auf dem Spiel, das letzte Aufgebot wirkt wie ein letzter Strohhalm. Gattuso wird heute erstmals mit komplettem Kader trainieren, auch Mancini und Calafiori meldeten sich freiwillig zum Doppelpass. Die Entscheidung über Bastonis Einsatz fällt 24 Stunden vor Anpfiff, doch die Richtung ist klar: Er will spielen, der Coach will ihn spielen lassen.
Die Uhr tickt. Die Fans zählen die Stunden. Und Bastoni? Der zählt die Schritte – 120 Meter pro Minute, 7200 Meter pro Runde, zweimal gestern, dreimal heute. Wenn er am Donnerstag aufläuft, wird es keine Garantie auf Sieg geben. Aber es wird eine Garantie auf Präsenz sein – und genau das fehlte Italien zuletzt.
