Senegal entrissen, marokko gekrönt: afrika-cup-sieg fällt nachträglich um
Rabats Nacht war schon für die Geschichtsbücher. Jetzt ist sie ein Fall für Juristen. Das Berufungsgericht des afrikanischen Fußball-Verbands CAF zog dem Senegal den Pokal aus der Hand und drückte ihn Marokko in die Finger – zwei Monate nach dem Abpfiff. Grund: Die Partie vom 6. Februar wird nachträglich mit 3:0 für die Gastgeber gewertet. Der Grund? Ein Regelverstoß, der so brisant ist wie ein Wüstensandsturm.
Was genau passierte in der 88. minute?
Der Schiedsrichter hatte Marokko einen Elfmeter zugesprochen, das Stadion kochte. Doch statt zu schießen, liefen die senegalesischen Spieler in die Kabine – ein Boykott, der laut CAF gegen „alle sportlichen Prinzipien“ verstößt. Die Folge: Die Partie wird annulliert, der Titel umgeschrieben.
Senegal reagiert mit juristischer Kampfansage. Generalsekretär Abdoulaye Seydou Sow schaltete sich am Dienstagabend in RTS und kündigte sofortige Beschwerde beim Internationalen Sportgerichtshof CAS an: „Wir werden vor nichts zurückschrecken. Das Recht ist auf unserer Seite.“ Pathé Ciss, Mittelfeldspieler von Rayo Vallecano, postete ein Foto mit der Medaille und spottete: „Den Heulsusen könnt ihr noch drei Tore geben.“

Ein finale, das nie endet
Die 1:0-Niederlage nach Verlängerung, erzielt durch Pape Gueye, galt bisher als Heldengeschichte. Dabei half selbst Sadio Mané, der Kapitän, seine Mannschaft zurück auf den Rasen zu lotsen, nachdem Trainer Pape Thiaw das Team in die Kabine geschickt hatte. Jetzt ist aus dem Triumph eine Schmach geworden – und aus Manés Vermittlerrolle ein juristisches Zugeständnis.
Die CAF-Entscheidung wirft ein Schlaglicht auf ein Kontinentalturnier, das seit Jahren mit Chaos-Finalen hadert. 2019 musste Ägypten nachträglich wegen Fan-Ausschreitungen Punkte abgeben, 2021 wurde Kamerun wegen Spielerverweigerung bestraft. Die neue Causa Senegal-Marokko setzt dem die Krone auf – und treibt die sportliche Glaubwürdigkeit des Afrika-Cups an den Rand des Abgrunds.
Für Marokko bedeutet das Urteil den ersten Titel seit 1976. Für Senegal bleibt ein fader Beigeschmack und ein leeres Regal, wo vor wenigen Wochen noch der Pokal stand. Die nächste Instanz ist der CAS – und die nächste Schlacht beginnt jetzt.
