Selby und hawkins fallen aus: yushan verliert zwei giganten vor dem start

Yushan schlägt die Augen auf und muss zwei Superstars abschreiben. Mark Selby und Barry Hawkins – beide hätten das Turnier erst richtig in Schwung bringen sollen – sitzen am Sonntagabend nicht im Flieger Richtung China. Grund: ärztliche Verdikt. Kein Rumoren, keine Gerüchte, nur ein kurzer Anruf beim Veranstalter. Abgemeldet. Weg.

Selby reist nicht – und das sagt mehr als ein scoreboard

Der 42-jährige Vierfachweltmeister bekommt seit Wochen die Querschläger seines Körpers zu spüren. Eine Magen-Darm-Erkrankung, die ihn schon in Sheffield zwischen den Sessions in die Umkleide hetzte, flaut nicht ab. Stattdessen verordnet ihm sein Mediziner strikte Schonung. Konsequenz: keine 6.000-Euro-Flugmeile, keine chinesische Kulisse, dafür viel Sofa und Antibiotika. Seine Runde eins gegen Michael Holt? Freilos. Holt spaziert ohne Queue ins Achtelfinale.

Hawkins‘ Absage kommt knallharter. Der 46-Jährige war bis vor zehn Tagen noch der Held von Cardiff, wo er Jack Lisowski mit 9:5 zerlegte und endlich wieder Pokier in den Händen hielt. Nun dieselbe Hand, die damals so ruhig war, an der Schulter geprellt. Die Untersuchung im Londoner Sportklinikum ergab eine Entzündung des Bizepssehnenansatzes. Schon die erste Trainingsstunde nach dem Triumph fühlte sich an, als würde jemand seinell in seinen Ellbogen bohren.

Trump und o’sullivan bleiben – das feld zittert trotzdem

Trump und o’sullivan bleiben – das feld zittert trotzdem

Die gute Nachricht für Yushan: Judd Trump und Ronnie O’Sullivan stehen weiter auf der Startliste. Trump, der 2019 und 2024 hier bereits den Pokal mit seiner markanten Faust umklammert hatte, trifft am Montagvormittag auf Mark Lloyd. O’Sullivan eröffnet gegen Ross Muir, einen Schotten, der in den letzten Monaten lernte, mit Druck umzugehen, weil er sonst keine Chance gegen die Tour-Elite hätte.

Doch die Abwesenheit von Selby und Hawkins hinterlässt ein Vakuum, das selbst die größten Namen nicht sofort füllen können. Denn beide zählen nicht nur zu den technisch besten Break-Bauern der Welt – sie sind auch die stillen Strategen, die jedem Turnier eine mentale Schärfe verpassen. Wer jetzt in der Halle aufläuft, spielt nicht nur gegen den Gegner am Tisch, sondern auch gegen die Frage: Was wäre, wenn?

Die zahlen, die hinter den absagen stehen

Ein Blick auf die Weltrangliste verrät: Selby rangiert trotz Ausfalls sicher in den Top 4, Hawkins schwebt nach seinem Welsh-Open-Sieg auf Platz 11. Das bedeutet: Für beide ist das Preisgeld in Yushan weder lebensnotwendig noch ranglistenkritisch. Trotzdem verschenken sie jeweils 50.000 Pfund Startgeld plus potentielle Bonuszahlungen – Geld, das in der Nachsaison für Seedings und Einladungen in lucrative Exhibitions entscheidend sein kann.

Die Tour selbst spürt den Schmerz ebenfalls. Ohne Selby fehlt ein TV-Magnet, der in der UK regelmäßig 1,2 Millionen Zuschauer vor die Mattscheibe lockt. Ohne Hawkins entfällt der Sympathieträger, der in den sozialen Medien knapp 350.000 Follower mobilisiert. Eurosport und HBO Max müssen umdisponieren, Sponsoren fragen sich, ob sie künftig Absageklauseln verhandeln sollen.

Blicke nach vorn: manchester und sheffield winken

Selbys Plan ist kristallklar: Er will in zwei Wochen in Manchester zur Tour Championship antreten – ein Turnier, bei dem nur die besten Acht der Ein-Jahres-Rangliste starten. „Ich brauche zwei komplette Trainingseinheiten ohne Schmerzen, dann bin ich wieder da“, sagte er am Telefon. Die Botschaft: Keine Rente, nur Pause.

Hawkins‘ Ziel heißt Crucible. Dort lauert seit 2012 seine letzte Halbfilade, und er weiß, dass jeder Matchsieg in Sheffield mehr kostbare Punkte bringt als ein kleines Turniersieglein in China. Seine Physiotherapeutin empfahl eine dreiwöchige Belastungspause. Der Zeitplan ist eng, aber nicht unmöglich.

Und Yushan? Das Turnier startet ohne zwei Glanzpunkte. Aber Snooker lebt von Geschichten, die sich im Handumdrehen neu schreiben. Vielleicht wird jetzt endlich das Break von Zhao Xintong perfekt, das alle reden macht. Vielleicht liefert Lisowski die Revanche gegen die Phantome der vergangenen Finals. Oder ein Qualifikant mit drei Nullen auf dem Konto schreibt sich selbst eine Einladung in die Geschichtsbücher. Die Kugeln liegen wieder offen – nur eben ohne Selby und Hawkins. Die Tore nach Manchester und Sheffield sind weit genug, um neue Helden durchzulassen.