Seider zögert: wm-einsatz offen – „körper entscheidet, nicht ich“
Moritz Seider kann momentan nicht einmal ein klares Ja für die kommende Eishockey-Weltmeisterschaft geben. Stattdessen steht der 25-jährige Top-Verteidiger in einer Reha-Halle, stapelt leise Gewichte und hört auf sein Knie – nicht auf die Stimmen, die ihn in Zürich schon jetzt auf dem Eis sehen wollen.
Verletzung hält länger als gedacht
Der Ausfall der Detroit Red Wings in der NHL hat ihn mitgenommen. Nicht nur die Enttäuschung über Platz sechs in der Atlantic Division, sondern auch eine Blessur, die sich „härter erwies als erwartet“, wie Seider am Rande des DEL-Finals in Mannheim einräumte. Seit Tagen arbeitet er mit dem deutschen Medizinstab, um den Körper wieder auf Laufpiste zu bringen. Die Deadline: Mitte Mai, wenn das Turnier in der Schweiz losrollt.
„Ich würde immer gerne spielen“, sagt der 1,90-Meter-Hüne, „aber es hängt davon ab, was der Körper macht.“ Keine Standardfloskel, sondern ehrliche Selbstdiagnose. Wer ihn kennt, weiß: Seider hasst Pause. Als er 2021 nach Nordamerika wechselte, absolvierte er fast durchgängig alle 82 Saisonspiele. Ausfallzeiten sind für ihn Fremdwörter, jetzt diktiert ihm sein Knie Tempo.

Generalprobe rückt näher
Am 10. Mai testet Deutschland gegen die USA in genau jener SAP Arena, in der Seider einst seine ersten Profi-Schritte mit den Adlern machte. Fünf Tage später geht es in Zürich gegen eben jenen Gegner weiter. Bundestrainer Harold Kreis hat den Verteidiger trotz offenen Fragezeichens auf die 28-Mann-Vorauswahl gesetzt, weil die Alternative ein zu großer Qualitätsverlust wäre. Ohne Seiders Tempo, ohne seine 24 Minuten Eiszeit pro Partie wirkt das deutsche Blatt plötzlich löchrig.
Die Drucklage ist klar: Nach dem olympischen Debakel gegen die Slowakei will der DEB wieder eine Medaille. Die Leihgabe von NHL-Stars galt bisher als Selbstverständlich, doch interne Kritik – unter anderem von Superstar Leon Draisaitl – an Organisation und Ablauf in Mailand hat die Stimmung angekratzt. Fällt Seider aus, fehlt nicht nur ein Akteur, sondern eine Identifikationsfigur.

Zeit wird knapp, alternativen rar
Kreis’ Stab prüft derzeit, wie lange er auf Seider warten kann. Eine Endentscheidung soll spätestens eine Woche vor Turnierstart fallen. Sollte der Verteidiger passen müssen, rückt wohl Korbinian Holzer nach, dessen physischer Stil ähnlich, dessen Spielintelligenz aber nicht mit Seiders Tempo mithalten kann. Die Frage ist: riskiert man ein Aufbäumen der Verletzung oder verzichtet man auf den Hoffnungsträger?
Seider selbst wirkt gelassen. „Das steht noch in den Sternen“, sagt er und deutet nach oben – vielleicht auf die Hallendecke, vielleicht auf etwas Größeres. Wenn die Sterne es gut mit ihm meinen, steht er am 15. Mai gegen die USA auf dem Eis. Wenn nicht, bleibt eine Lücke, die kein Trainingslager der Welt schließen kann.
