Öfb feuert schriebl: däne söndergaard übernimmt damen-nationalteam

Wien – Kein Blatt vor den Mund genommen: Der Österreichische Fußball-Bund hat Alexander Schriebl nach nur 16 Monaten und neun Pleiten in 14 Pflichtspielen rausgeworfen. Nachfolger ist mit Lars Söndergaard ein 67-jähriger Däne, der zuletzt sechs Jahre lang Dänemarks Damen zur EM-Teilnahmmarschierte. Die Trennung erfolgte „mit sofortiger Wirkung“, wie Sportdirektor Peter Schöttel am Mittwochmittag in Wien verkündete.

Kein pardon nach debakel gegen deutschland

Die Entscheidung fiel kurz nach dem 0:0 gegen Deutschland in Graz – einem Ergebnis, das auf dem Papier als „Reaktion“ galt, in der Tabelle aber nichts half. „Wir haben vor eineinhalb Jahren mutig neu begonnen“, sagte Schöttel, „aber das Projekt ist nicht aufgegangen.“ Der Blick auf die Zahlen ist gnadenlos: Seit Januar 2025 kassierte Österreich 31 Gegentore, schoss nur neun Tore und rutschte in der WM-Quali auf Rang vier ab – hinter Deutschland, Island und sogar Ungarn.

Schriebl selbst erfuhr die Kündigung am Dienstagabend per Anruf. „Ich bedanke mich bei allen Spielerinnen und dem Staff“, ließ er nur knapp über den Verband ausrichten. Intern heißt es, der 45-Jährige hatte zuletzt selbst um ein Gespräch gebeten, um die „Richtung des Projekts“ neu zu justieren. Stattdessen bekam er die Abberufung.

Söndergaards mission: erste wm-teilnahme

Söndergaards mission: erste wm-teilnahme

Mit Söndergaard holt der ÖFB einen Coach, der in Skandinavien als „Mr. Quali“ gilt. Unter ihm qualifizierte sich Dänemark 2017 und 2022 für die EM, 2023 stand man erstmals im WM-Viertelfinale. Sein Gehalt in Wien wird auf rund 400.000 Euro taxiert – dreimal so viel wie Schriebl zuletzt. Verbandspräsident Gerhard Milletich spricht von „einer Investition in die Zukunft“, will bis 2027 „mindestens 1,5 Millionen Euro zusätzlich“ in Frauenfonds pumpen.

Der Däne übernimmt morgen das Training, reist am Wochenende nach Reykjavík, wo am 2. Juni das nächste Quali-Spiel ansteht. „Ich kenne die Gegner, ich kenne den Druck“, sagte Söndergaard, dessen Deutschkenntnisse aus seiner Zeit bei Hamburger SV und Mainz stammen. „Aber ich kenne auch Nicole Billa und Sarah Puntigam – sie können mehr, als sie zuletzt gezeigt haben.“

Die Spielerinnen reagierten erleichtert. „Wir brauchen jetzt klare Ansagen, keine Experimente“, sagte Torhüterin Manuela Zinsberger nach dem Training. Kapitänin Puntigam pflichtet bei: „Es ist ein Neuanfang – mit dem alten Kader, aber neuem Feuer.“

Die Qualifikation für die WM 2027 in Brasilien läuft bis September. Österreich muss mindestens Zweiter werden, um über die Play-offs zu rutschen. Die letzten vier Spiele: Island (Auswärts), Ungarn (Heim), Bayern (Heim), Deutschland (Auswärts). Söndergaards Credo: „Wir werden attackieren, sonst können wir zu Hause bleiben.“

Der Verband gibt sich siegesgewiss. „Wir haben 14 Monate, um Geschichte zu schreiben“, so Schöttel. „Und diese Zeit beginnt jetzt.“