Scl tigers rudern um: varmanen geht, thermell bringt schweden-feuer

Die SCL Tigers haben den Absturz auf Tabellenplatz elf nur knapp überlebt – nun räumen sie um. Jukka Varmanen verlässt Langnau nach vier Jahren auf eigenen Wunsch, Pär Arlbrandt zieht wie geplant die Koffer. An ihre Stelle rückt Tobias Thermell, 49, frisch aus der schwedischen SHL und mit einem Einjahresvertrag im Gepäck.

Die Kündigung des Assistenztrainers klingt harmlos. Sie ist es nicht. In der Kabine galt Varmanen als „Stimme der Vernunft“, jemand, der Spieler individualisiert und trotzdem das Kollektiv im Blick behielt. Seine Exit-Interviews fanden nicht im Büro statt, sondern auf dem Laufband. Jetzt steht ein leeres Büro – und ein neues Gesicht.

Thermell bringt offensiv-chemie statt finnischer kühle

Örebro HK hatte ihn zuletzt als Powerplay-Architekten eingesetzt. Unter seiner Führung stieg die Trefferquote der Schweden von 17,3 auf 22,8 Prozent – innerhalb zweier Saisons. Zahlen, die Pascal Müller, Sportchef der Tigers, nicht ungelesen ließ. „Er versteht es, Schnelligkeit in Systeme zu übersetzen, ohne die Spielfreude zu ersticken“, sagt Müller. Gemeint ist: mehr Transition, weniger Rondo.

Verborgen in der Pressemitteilung: Thermell soll nicht nur Assistent bleiben. Intern kursiert das Wort „Co-Trainer“ – eine halbe Stufe neben Chefcoach Hans Kossmann, der nach dem Desaster gegen Davos (1:18) ebenfalls auf der Liste stand. Die Tigers wollen keinen Schnellschuss, aber sie wollen Tempo. Thermells Vertrag lässt eine Option auf Verlängerung offen, faktisch aber entscheidet sich im Oktober, ob der Schwede das Zepter ganz übernimmt.

Was die tribüne nicht hört

Was die tribüne nicht hört

Im Emmental reden die Fans über die Abwehr, über die 98 Gegentore in 48 Spielen. In der Staffel redet man über Thermells Arbeitsweise: Videoanalyse bis 2 Uhr morgens, individuelle Schrittfrequenz-Messung, kleine Gruppen-Meetings statt Hallenansprache. „Er schaut dir auf die Schlittschuhe, nicht auf die PowerPoint“, sagte ein Ex-Spieler aus Örebro. Das klingt nach Marketing – ist aber ein Versprechen, dass Langnau dringend braucht.

Die Saison ist vorbei, die Planung beginnt. Mit Thermell bekommt die NL einen neuen Schweden, der Sprachbarrieren nicht als Problem, sondern als Training sieht. Seine erste Forderung: ein Sommercamp mit nur einem Thema – Puckbesitz in der neutralen Zone. Die Tigers haben nichts zu verlieren außer dem letzten Ansehen. Thermell hat etwas zu gewinnen: ein ganzes Jahr, um aus einer verpatzten Saison eine neue Identität zu schmelzen.