Schweizer super-g-truppe versinkt im frühlingsschnee – paris profitiert

Die Schweizer Speed-Herren verabschieden sich mit leeren Händen aus dem Super-G-Finale. Zum ersten Mal seit der Saison 2015/16 steht kein Eidgenosse am Podium, während Dominik Paris in Soldeu den dritten Saisonsieg feiert. Die Verlierer des Tages heißen Alexis Monney und Franjo von Allmen – doch ihre Reaktionen könnten unterschiedlicher nicht sein.

Monney und das 0,66-sekunden-drama

0,66 Sekunden – das ist weniger als ein Atemzug auf der 2,1 Kilometer langen Strecke. Für Alexis Monney ist es die Differenz zwischen Jubel und Katerstimmung. Zweimal in 48 Stunden landet der 26-Jährige auf Rang vier, zweimal schrammt er am Podest vorbei. «Leder-Pech» nennen Experten das, wenn die Kante im falschen Moment wegrutscht. Monney selbst redet es klein: «Ich bin stolz, meinen Plan umgesetzt zu haben.» Dabei war er oben so schnell wie nie, ließ die Ski bis zum Limit laufen. Doch in der Mitte rutschte er zweimal weg, verlor die Linie, verlor Zähntel. «Die Drifts waren nicht geplant», sagt er und lacht auf, als wolle er das Pech wegpusten. Die Saison war trotzdem sein Breakthrough: drei Top-10-Plätze, eine Verbesserung um 28 Weltcuppunkte. Nur das Podest fehlt – und das nagt.

Von allmen packt aus: «schnauze voll»

Von allmen packt aus: «schnauze voll»

Während Monney noch nach den Gründen sucht, hat Franjo von Allmen schon die Konsequenzen gezogen. 1,73 Sekunden fehlen ihm auf Paris, Platz zehn ist das magere Resultat. Der Grund liegt auf dem Tisch – oder besser: im Schnee. «Frühlingsschnee ist ein anderes Universum», erklärt er und kneift die Augen zusammen. Seine Technik, aggressiv aus der Kurve heraus beschleunigen, funktioniert nur auf Kaltem. «Gestern noch Eis, heute Pudding», sagt er und schüttelt den Kopf. Die Lösung: «Skier in die Ecke, Kopf aus.» Ein Start im Riesenslalom? «Nein. Schnauze voll.» Der Satz knallt in die Mikrofone, danach herrscht kurz Stille. Von Allmen hat Gold in der Tasche – die Team-WM in Saalbach –, trotzdem nennt er die Saison «mittelmäßig». Zu viele Stürze, zu viel Frust. «Der Winter war lang. Ich bin froh, dass er vorbei ist.» Und doch: 312 Weltcuppunkte, mehr als je zuvor. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache als der Mann, der gerade keine mehr sprechen will.

Die Schweizer Speed-Delegation reist mit leeren Händen nach Hause – erstmals seit acht Jahren. Die Konkurrenz aus Österreich, Italien und Norwegen hat das Tempo erhöht, die Schweiz steht still. Die nächste Saison beginnt in 180 Tagen. Bis dahin müssen Monney und von Allmen die Antwort finden – oder die Frage neu stellen.