Gueye will marokko die medaillen bringen – aber nur mit erhobenem kopf

Idrissa Gueye steht nach dem Abpfiff in der Kabine von Goodison Park, Schweißperlen kullern über die Stirn, und sagt den Satz, der Afrika in Aufruhr versetzt: „Ich sammle die Medaillen ein und liefere sie selbst nach Rabat – wenn das die Lage beruhigt.“ Der 34-Jährige hat soeben mit Everton Chelsea 3:0 gedemütigt, doch das Thema Nummer eins ist der gestrichene Afrika-Cup, den seine Löwen immer noch als rechtmäßig errungen betrachten.

„Wir haben den titel auf dem rasen geholt, nicht im büro“

Die CAF hatte Senegal am Dienstag per Urteil aus Lausanne nachträgig disqualifiziert, das Finale für Marokko gewertet. Grund: Platzsturm und Wurfobjekte in der Nachspielzeit, nachdem Referee Victor Gomes einen zweiten Elfmeter für die Atlaslöwen gepfiffen hatte. Die Senegalesen hatten den Rasen vorübergehend verlassen, die Partie wurde nach 18 Minuten Unterbrechung fortgesetzt, Gueye erzielte das 1:0 – ein Tor, das laut CAS nie existiert hat.

„Lächerlich“, giftet Gueye im Interview mit Canal+. „Wir haben 120 Minuten dominiert, den Ball im Strafraum gesehen, gekämpft, getanzt. Titel werden auf dem Platz verdient, nicht von Anwälten.“ Der Mittelfeldstratege, der im Finale den gesperrten Kapitän Kalidou Koulibaly komplettierte, klingt dabei so ruhig wie ein Sturm auf offener See. „Ich habe 128 Länderspiele, jedes einzelne war ein Krieg. Und jetzt soll man uns wegen ein paar Flaschen und Emotionen den Pokal wegnehmen? Nie im Leben.“

Senegals verband legt ein, gueye würde lieber kneifen

Senegals verband legt ein, gueye würde lieber kneifen

Der senegalesische Fußballverband FSF kündigte noch in der Nacht zum Mittwoch an, vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS zu ziehen. Gueye hätte ihm davon abgeraten. „Rechtliche Scharmützel schaden nur dem Image des Kontinents. Wir sind die wahren Champions, das wissen alle, die im Stadion waren.“ Die Bilder von Tränengas, fliegenden Stühlen und einem verschossenen Elfmeter von Brahim Diaz gingen um die Welt. Dennoch: Die Trophäe steht weiter in Dakar, nicht in Rabat.

Die CAF-Entscheidung wirft Fragen auf, die über das Finale hinausweisen. Wie viel Strafe verträgt ein Emotionskontinent? Wer schützt Schiedsrichter, wenn 60 000 Fans den Platz stürmen wollen? Und warum wird ein Spiel, das längst abgepfiffen ist, nachträglich umgeschrieben? Gueye lacht schulterzuckend: „Weil Papier geduldiger ist als Gras.“

Ob er tatsächlich die Goldmedaillen einsammelt, steht offen. „Ich bin ein Mann von meinem Wort. Aber ich werde sie auf Marokkanisch überreichen: mit erhobenem Kopf und der Gewissheit, dass wir Afrika gespielt haben, sie nur die Regeln.“ Dann verlässt er die Mixed Zone, Richtung Mannschaftsbus. In der Hand: ein Plastikbecher – nicht als Waffe, sondern mit stillem Triumph. Die Trophäe mag in einem Schreibtisch verschwinden, der Mythos der Löwen bleibt.