Schulsbus kollidiert mit zug in flandern – mehrere tote in buggenhout
08:08 Uhr Ortszeit. Die Ampel steht auf Rot, die Schranken sind unten. Sekunden später kracht der IC-Anschluss Brüssel-Gent in einen gelben Schulbus und reißt die Frühstücksroutine einer belgischen Kleinstadt in eine Tragödie. Erste Rettungskräfte sprechen von mehreren Toten, darunter Kindern. Innenminister Bernard Quintin bestätigt "mehrere Opfer", die Flämische Rundfunkanstalt VRT bestätigt Todesfälle. Die Unfallstelle in Buggenhout, Provinz Ostflandern, ist mittlerweile ein Kordon aus Blaulicht.
Was wir bisher wissen
Thomas Baeken, Sprecher von Infrabel, dem staatlichen Eisenbahninfrastrukturbetreiber, bestätigt gegenüber VRT: Die Halbschranken waren geschlossen, die rote Lichtzeichenanlage aktiv. Dennoch rollte der Bus – Fahrer plus Begleitperson und sieben Grundschulkinder – auf das Gleis. Warum, bleibt zunächst offen. Die Bundespolizei und die Staatsanwaltschaft Dendermonde haben die Ermittlungen übernommen, die Bahnstrecke zwischen Mechelen und Gent ist gesperrt. Ersatzbusse pendeln.
Die Einsatzzentrale meldet gegen 09:30 Uhr: fünf Hubschrauber, zwölf Rettungswagen, drei Notärzte vor Ort. Die Verletzten wurden in die umliegenden Krankenhäuser nach Aalst und Mechelen geflogen. Eltern strömen zum Unglücksort, die Kommune richtet eine Notfallhotline ein. Schulpsychologen stehen bereit.

Ein ort wie jeder andere – bis heute
Buggenhout, knapp 30 Kilometer nordwestlich von Brüssel, hat keine besondere Schiene: Eine Hauptstraße, ein Kreisel, ein Bäcker, ein Schützenverein. Der Bahnübergang liegt direkt neben der Grundschule Sint-Jan Berchmans, wo gerade die zweite Stunde begann. Augenzeugen berichten von quietschenden Bremsen, einem dumpfen Aufprall, dann Stille – nur das Ticken der Warnblinkanlagen. Ein Nachbar filmt mit dem Handy, die Aufnahme zeigt den Bus quer über dem Gleis, die Lok im Vorgarten eines Reihenhauses.
Belgiens Verkehrsministerin Georges Gilkinet bricht eine Pressekonferenz ab, um sofort nach Buggenhout zu fahren. Auf X schreibt sie: „Die Bilder lassen mich sprachlos. Wir prüfen bereits, ob technische Sicherheitssysteme versagt haben oder menschliches Fehlverhalten eine Rolle spielte.“ Die belgische Eisenbahn setzt Sonderzüge ein, um gestrandete Pendler abzuholen. Fernsehsender VRT wechselt in den Dauermodus.
Die Dunkelziffer derartiger Unfälle in Flandern ist erschreckend konstant: 2023 registrierte Infrabel 88 Bahnübergangsunfälle, 14 davon mit Todesfolge. Meist sind es Autofahrer, die die Schranken ignorieren. Ein Schulbus – das ist Neuland. Die Frage nach der Busspurverlegung wurde schon 2019 gestellt, das Projekt steckt seitdem in Gutachterverfahren.
Am frühen Nachmittag senkt sich Nebel über die stillgelegte Trasse. Ein Polizeisprecher verkündet: Die Identifizierung der Opfer läuft, Familien werden einzeln informiert. In der Aula der benachbarten Schule brennt ein einzelnes Kerzchen. Kein Laut. Nur das monotone Summen der Pressekameras draußen.
