Schönhaus scheitert an hanfmann – doch der 18-jährige macht hamburg hellhörig

Der Aufstand war so nah, dass man ihn auf der Gänsehaut des Centre Courts spüren konnte. Max Schönhaus, noch 18, erst vor zwölf Monaten Junior bei den French Open, schickte Yannick Hanfmann in den dritten Satz, bevor die Erfahrung des 34-Jährigen das Momentum wieder an sich riss: 6:3, 6:7 (4), 6:4 – Hanfmann weiter, Schönhaus raus, Hamburger Herzklopfen inklusive.

Der teenager spielte sich in die herzen der rothenbaum-fans

Was in der Statistik als Erstrunden-Aus verbucht wird, klingt in den Tribünen wie eine Kampfansage. Schönhaus traf Returns früher als seine Schulexamen, variierte Tempo und Spin, ließ Hanfmann mehrmals ratlos hinter der Grundlinie stehen. Die Breakchance beim 4:4 im dritten Satz – sie war sein, aber das Netzband zitterte einen Millimeter zu viel. „So hat der kleine Unterschied ausgesehen“, sagte er hinterher, und man hörte, wie sehr er sich selbst dafür hasste, dass der Ball nicht 0,3 Sekunden früher kam.

Hanfmann, selbst einst der Shootingstar, der an diesem Platz schon Rafael Nadal ärgerte, wusste, wann er die Bremse ziehen musste. Er senkte das Tempo, zwang Schönhaus mit hohen Kreuzschlägen in unbequeme Positionen und nutzte die zweite Luft, nachdem der Youngster im Tiebreak des zweiten Satzes alles riskiert hatte. Der Routinier ließ keine Emotion erkennen – bis zum letzten Aufschlag, dann zeigte er dem Publikum die Faust. Respekt, nicht Provokation.

Die zahlen sprechen für schönhaus – und gegen die deutsche tennis-enge

Die zahlen sprechen für schönhaus – und gegen die deutsche tennis-enge

Der Weltranglisten-264. schlug 33 Winner, drei mehr als der Favorit. Er gewann 56 Prozent der Punkte nach zweitem Aufschlag – ein Wert, den selbst Top-30-Spieler selten erreichen. Doch 41 unerzwungene Fehler verhinderten den Coup. „Ich habe gespürt, dass ich ihn unter Druck setzen kann. Das gibt mir Rückenwind für die Challenger-Tour“, sagte Schönhaus, während seine Eltern auf der Haupttribüne noch immer applaudierten, als wäre er ins Viertelfinale eingezogen.

Hanfmann trifft nun möglicherweise auf Luciano Darderi, den gesetzten Italiener, der ihn in Rom schon aus dem Turnier warf. Für den Deutschen ist Hamburg die letzte Bastion vor der Rasensaison – ein Viertelfinale würde seinem Ranking 45 Punkte bescheren und ihn wieder in die Nähe der Top 50 bringen.

Ohne zverev bleibt die dtb-hoffnung auf altmaier und struff

Alexander Zverev sagte kurzfristig ab, seine Sprunggelenksreizung warf Schatten auf das deutsche Hauptfeld. Neben Hanfmager kämpfen noch Daniel Altmaier und Jan-Lennard Struff um den Achtungserfolg. Und dann ist da noch Justin Engel, ebenfalls 18, der in der Quali nur einen Satz abgab. Die U19 ist auf dem Rothenbaum plötzlich keine Zukunftsmusik mehr – sie ist lautstarker Gegenwart.

Schönhaus wird mit 80 Rankingpunkten belohnt, so viel wie nie zuvor. Er fliegt am Montag nach Milanówek, um in der Challenger 80 Punkte zu sammeln – und um zu beweisen, dass Hamburg kein einmaliger Feuerzauber war. Wer ihn heute sah, weiß: Der Junge hat das Zeug, irgendwann nicht nur die Runde, sondern das gesamte Turnier zu erobern.