Schalke 04: jahrestag des bielefeld-skandals – eine schande für immer?
Gelsenkirchen – Es ist ein Datum, das auf Schalke mit einem tiefen Gefühl der Scham verbunden ist: der 17. April 1971. An diesem Tag verlor Schalke 04 gegen Arminia Bielefeld, ein Spiel, das später als einer der schmutzigsten Momente in der Bundesliga-Geschichte in die Annalen einging. Während die Königsblauen aktuell sportlich kaum Grund zur Freude haben, wird der kommende Jahrestag des Skandals eine weitere Erinnerung an eine dunkle Episode in der Vereinsgeschichte sein.
Der abstiegskampf, der alles veränderte
Die Saison 1970/71 war geprägt von Abstiegssorgen und der daraus resultierenden Verzweiflung vieler Vereine. Gerüchte über Manipulationen kursierten bereits seit März, doch niemand ahnte, welch dramatische Ausmaße der Skandal annehmen würde. Es ging um mehr als nur den Verbleib in der Bundesliga; es ging um Existenzfragen, um den Verlust von Prestige und um finanzielle Sicherheit.
Die Bestechungsgelder flossen in beträchtlichen Summen. Von dunklen Raststätten bis zu Trainerwohnungen – die Deals wurden hinter verschlossenen Türen ausgehandelt. Ein Kölner Friseurmeister agierte als Mittelsmann für mehrere Klubs und träumte bereits von einer lukrativen Agentur. Die Summe von 2300 D-Mark, die den Schalkern angeboten wurde, erscheint im Nachhinein lächerlich, aber sie war der Auslöser für einen Sturm der Ereignisse, der den Fußball nachhaltig erschütterte.

Das spiel gegen bielefeld: eine farce
Das Spiel gegen Arminia Bielefeld war mehr als nur ein Fußballspiel. Es war eine Inszenierung. Die 15.000 Zuschauer ahnten nichts von den Intrigen hinter den Kulissen. Der Ex-Schalker Waldemar Slomiany, der mittlerweile für Bielefeld spielte, sollte im Vorstandsauftrag 40.000 DM für eine Niederlage entgegennehmen. Klaus Senger, ein Schalker Spieler, nahm das Geld an – und das Team spielte auffallend schlecht. Die Rufe „Schiebung!“ hallten durch das Stadion, doch der Torwart Dieter Burdenski, der kurzfristig eingewechselt wurde, spielte den Spielball mit und hielt wie ein Besessener das 0:0 fest.
Trainer Slobodan Cendic forderte empört eine Geldstrafe von 1000 Mark pro Spieler. Doch was niemand wusste: Jeder Schalker kassierte bereits 2300 DM. Die Tonbandaufzeichnungen von Offenbachs Präsident Canellas, die auf einer Gartenparty präsentiert wurden, enthüllten langsam die Wahrheit.

Der fall zerbricht schalke – und viele karrieren
Die Schalker stellten sich dumm und dementierten heftig. Doch die Wahrheit holte sie ein. Franz Greif, ein ehemaliger Bielefelder Vorstand, belastete die Schalker vor Gericht. Acht Schalker Spieler verklagten sogar Jürgen Neumann wegen Verleumdung – eine weitere Lüge in einer Kette von Lügen. Erst Jahre später, als die Spieler ihre Angst vor lebenslangen Sperren überwanden, gestanden sie die Wahrheit.
Der DFB reagierte mit Sperren und Strafen, doch die rechtliche Grauzone machte eine vollständige Ahndung unmöglich. Die Affäre führte zum Zwangsabstieg der Arminia Bielefeld im Jahr 1972 und hinterließ einen tiefen Wunden in der Fußballgemeinschaft.
Die Zahl, die bis heute nachwirkt: 40.000 DM. Das sind die Bestechungsgelder, die die Schalker Spieler für einen einzigen, schändlichen Sieg kassierten – ein Betrag, der den Ruf des Vereins nachhaltig beschädigt hat. Der Skandal von 1971 ist ein Mahnmal dafür, wie Geld und Angst den Sport korrumpieren können.
