Wenn torhüter-drama geschichte schreibt: warum luis de la fuente den mut von 1982 wiederholt

Sie glauben, die Diskussion um Joan García und den verbannten Álex Remiro sei heftig? Spanien hat schon einmal den Koffer voller Nerven zum WM-Turnier geschickt – und den falschen Mann draußen gelassen.

Das 22-mann-dilemma von 1982

Am 7. Mai 1982 zählte José Emilio Santamaría in La Molina seine 22 Feldspieler zusammen, während die FIFA-Regeln drei Torhüter verlangten. Nur zwei Namen standen auf dem Blatt: Arconada und Urruticoechea. Kein dritter. Kein Sicherheitsnetz. Die Spieler ahnten: Jeder Feldspieler konnte noch rausfliegen, um Platz für einen Keeper zu schaffen.

Die Lösung kam am 19. Mai, als die Mannschaft ins Valencianische Quartier El Saler einzog. Entweder Miguel Ángel, 34 Jahre alt, beim Real Madrid seit Wochen in der Versenkung verschwunden, oder der junge Sempere, 24, seit Herbst 1981 Arconadas Stellvertreter. Die Wette galt: Santamaría würde nicht wagen, dem erfahrenen Galicier die Tür zu zeigen.

Der Club lieferte den Beweis. Miguel Ángel flog mit Real nach Amerika, spielte in Honduras und Venezuela, während die Nationalmannschaft sich in Spanien formierte. Trotzdem – oder gerade deswegen – war er es, der am 6. Juni zum Kader stieß. „Ich bin der dritte Torhüter . der spät kommt. Aber ich gebe mich nicht zufrieden“, sagte er. Dabei hatte er seit dem 2. Januar kein Pflichtspiel mehr bestritten. Streit mit Trainer Vujadin Boskov, 50.000 Peseten Strafe, 45 Tage Suspension – alles für nichts.

Der vermeintlich verletzte und der gläserne grund

Der vermeintlich verletzte und der gläserne grund

Die Rechnung hieß Quique Ramos. Der Mittelfeldspieler musste gehen, offiziell wegen „Verletzung“. Zurück in Madrid konterte Atléticos Arzt Enrique Ibáñez: „Quique hatte keinen Muskelriss; er hat bewiesen, dass er spielen kann.“ Der Rasen im Estadio Vicente Calderón wurde zum Schauplatz eines medizinischen Dissens, der vor laufenden Kameras ausgetragen wurde. Jorge Guillén, Mannschaftsarzt der Selección, hielt dagegen: „Eine Operation hätte nötig sein können.“ Ibáñez antwortete trocken: „Er ist mein Freund, aber ich glaube nicht an Märchen.“

Quique selbst schluckte und sagte: „Ich muss akzeptieren, dass ich abreise. Vielleicht wäre ich in drei Tagen wieder fit.“ Drei Tage vor WM-Beginn. Miguel Ángel saß auf der Bank, kam nicht zum Zug, und Spanien flog nach der Gruppenphase raus. Was schlecht beginnt, endet meist schlecht.

42 Jahre später schlägt die Erinnerung durch. Luis de la Fuente wagt denselben Schnitt wie Santamaría: Erfahrung hintenan, Frische voran. Die Frage ist nur, ob Joan García die neue Arconada wird – oder ob Spanien wieder ein WM-Turnier mit einem Torhüter-Drama beginnt, das niemand vergessen will.