Milan: cardinale packt durch! revolution im mailänder fußball

Mailand steht am Scheideweg. Nach einer verkrafteten Champions-League-Saison und internen Querelen krempelt der Eigentümer Gerry Cardinale den AC Mailand von Grund auf neu. Eine Ära des Lernens ist beendet, jetzt beginnt die Zeit der direkten Kontrolle und rigoroser Umstrukturierung – und das schneller, als viele Beobachter erwarten.

Das aus für furlani: zahlen stimmen, teamgeist fehlte

Das aus für furlani: zahlen stimmen, teamgeist fehlte

Die Entscheidung für eine solch drastische Veränderung fiel nach einer schlaflosen Nacht für Cardinale. Der bisherige Geschäftsführer Giorgio Furlani, der zwar nachweislich ein Händchen für die Finanzen hatte und den Verein wirtschaftlich stabilisiert, scheitert an einem entscheidenden Punkt: der fehlenden Kohäsion im Team. Die verpasste Champions-League-Qualifikation war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Es ging nicht nur um die Ergebnisse, sondern um die Art und Weise, wie die Mannschaft aufgetreten ist – ein Zeichen für ein System, in dem die Einzelteile nicht harmonisch zusammenarbeiteten.

Cardinale verfolgt nun das Ziel, eine funktionierende Einheit zu schaffen, in der Vorstand, Sportdirektor und Trainer Hand in Hand arbeiten. Das klingt banal, war im Mailänder Alltag aber offenbar eine Utopie. Die Suche nach einem neuen Vorstand und Sportdirektor läuft bereits seit einiger Zeit, und innerhalb einer Woche sollen die Weichen für eine neue Führungsebene gestellt sein. Auch die Trainerfrage ist heiß: Gerüchte über einen ausländischen Nachfolger, der vor allem auf einen offensiven, attraktiven Spielstil setzt, verdichten sich. Ein Antonio Conte lässt sich Milan also nicht erwarten, sondern eher ein taktischer Ansatz a la Fabregas – dynamisch, mutig, tororientiert.

Die Vergangenheit wird nicht zurückgeholt. Paolo Maldini, trotz seines immensen Ansehens und des Respekts, den Cardinale ihm entgegenbringt, wird nicht zurückkehren. Seine Arbeitsweise, geprägt von einem starken Individualismus, passt nicht in das neue Konzept. Adriano Galliani, einst eine prägende Figur im Mailänder Fußball, ist ebenfalls kein Thema, da er als Vertreter einer vergangenen Ära gilt. Stattdessen setzt Cardinale auf frische Kräfte, auf junge, hungrige Köpfe, die bereit sind, sich in ein neues System einzufügen.

Auch Massimiliano Allegri, dessen Engagement ohnehin fraglich war, fällt durchs Raster. Selbst ein erfolgreicher Champions-League-Einzug hätte seine Position nicht gerettet, da sein Fußballstil als zu defensiv und reaktiv wahrgenommen wurde. Cardinale wünscht sich einen Trainer, der den Milan nicht nur für den Sieg, sondern auch für den attraktiven Spielaufbau einsetzt. Ein Fehler, den man bei der Verpflichtung Allegris begangen hat: Man versuchte, das Problem mit einem Kurzzeitsieg zu lösen, anstatt langfristig an einer tragfähigen Lösung zu arbeiten.

Die Suche nach einem Nachfolger ist in vollem Gange. Es werden drei potenzielle Kandidaten für den Trainerposten und drei für die Position des Vorstands diskutiert. Die Entscheidung steht kurz bevor. Cardinale wird sich zwar von allen Seiten beraten lassen, die letztendliche Entscheidung wird er jedoch selbst treffen. Es ist ein Neuanfang, ein Reset, ein Tag null für den AC Mailand.

Und was ist mit Zlatan Ibrahimović? Der schwedische Superstar agiert weiterhin in seiner Rolle als Berater von RedBird, dem Eigentümer des Vereins. Seine Expertise und sein Fußballverständnis werden weiterhin in Anspruch genommen, doch eine offizielle Position im Verein ist ihm verwehrt. Massimo Calvelli, aktuelles Mitglied des Aufsichtsrats, wird ebenfalls keine Rolle bei der zukünftigen Führung des Vereins spielen.