Sassuolo und bologna liefern sich krimi um europaplatz – berardi will revanche

Im Mapei Stadium kocht die Emilia: Sassuolo empfängt Bologna zum Derby, das in dieser Saison mehr ist als Lokalrivalität. Ein Punkt trennt beide Teams, beide träumen vom internationalen Geschäft. Für Sassuolo geht es um die letzte Chance, sich nicht abzuhängen. Für Bologna um den Beweis, dass die Europa-League-Euphorie mehr war als ein kurzes Strohfeuer.

Kick-off 15. März, 15.00 Uhr deutscher Zeit. Kevin Bonacina pfeift, Marco Serra sitzt im Kölner Keller als VAR. Die Statistik? Sassuolo gewann nur eines der letzten acht Duelle gegen Bologna. Das war am 15. Mai 2022, als Gianluca Scamacca mit einem Doppelpack und Domenico Berardi mit einem Traumtor den 3:1-Sieg besiegelten. Seitdem herrscht ein unrühmliches 4-3-3-Patt.

Grosso setzt auf berardi, italiano warnt vor der 15-minuten-falle

Fabio Grosso stellt auf dieselbe Startformation wie zuletzt gegen Lazio auf: Muric – Walukiewicz, Idzes, Muharemovic, García – Thorstvedt, Matić, Koné – Berardi, Pinamonti, Laurienté. Keine Überraschung, denn der Coach vertraut der Offensive, die gegen Rom noch für den Ehrentreffer sorgte. Bolognas Vincenzo Italiano rotiert leicht: Zortea ersetzt De Silvestri auf rechts, Casale rückt für Lucumí in die Innenverteidigung. Dallinga führt die Angriffslinie an, hinter ihm wirbeln Orsolini und Cambiaghi.

Die Zahl, die beiden Trainingsstäben seit Tagesanbruch auf den Leinwänden hängt: acht. So viele Gegentore kassierte Sassuolo in den ersten 15 Minuten dieser Serie-A-Saison – Liga-Negativrekord. Bologna hingegen blieb gemeinsam mit Cagliari in diesem Zeitfenster ohne Treffer. Wer früh trifft, bestimmt die Psyche des Gegners. Wer früh kassiert, muss gegen die eigene Unsicherheit ankämpfen.

Dazn sicherte sich die Exklusivrechte, Kanal 214 bei Sky zeigt die Partie parallel. Für die Fans der TSV Pelkum bedeutet das: Laptop an, App auf, Kaffee kochen. Die Emotion funktioniert nur live, keine Zusammenfassung kann die Atmosphäre ersetzen, wenn 21.525 Zuschauer im Mapei brüllen.

Die europa-league-druckkammer und das ende der ausreden

Die europa-league-druckkammer und das ende der ausreden

Bologna reist mit Selbstvertrauen: das 1:1 gegen Roma im Europacup war keine Kopie italienischer Feldarbeit, sondern ein Lehrstück in Effizienz. Sassuolo dagegen schleppte sich mit 0:1 vom Olimpico zurück, die Kritik an Grossos Defensivreihe wurde lauter. Die Folie: Wer gegen Bolognas mobile Außenbahnen dieselben Lücken bietet wie gegen Lazio, wird bestraft. Die Realität: Mit 24 Gegentoren nach 28 Spieltagen steht Sassuolo auf Abstiegskurs, nicht nur in der Tabelle.

Die Personalie Berardi ist dabei mehr als ein Fußballer. Der Captain traf in fünf der letzten sechs Derbys, er ist Sassuolos Antwort auf Bolognas kollektive Laufkultur. Wenn er früh durchstartet, zieht er die komplette Abwehr auf sich, öffnet Räume für Pinamonti. Wenn Italiano ihn mit Doppeldeckung neutralisiert, verliert Sassuolo seine einzige Spielklasse. Die Partie wird sich in den Zweikämpfen zwischen Berardi und Lykogiannis entscheiden.

Die Tabelle lügt nicht. Ein Sieg katapultiert Bologna auf Platz sieben, direkt hinter Atalanta. Sassuolo rutscht bei einer Niederlage auf Relegationsrang 18. Die Saison ist nicht mehr jung, die Anzahl der verbleibenden Fehler ist auf einen Handshake beschränkt. Das Derby ist keine Momentaufnahme mehr, es ist ein Schicksalstag.

Die Prognose: Bologna gewinnt 2:1, Berardi erzielt den Anschlusstreffer in der 81. Minute, aber es reicht nicht. Sassuolo bleibt im freien Fall, Bologna festigt den Europa-Traum. Am Ende zählt nur, wer die Nerven behält. Und das ist in der Emilia seit jeher eine Frage der Sekunden, nicht der Philosophie.