Sararer steht wieder auf dem rasen – 539 tage nach dem kreuzbanddrama

Der Regen peitscht durch das Auestadion, als Sercan Sararer seine Nummer 10 überstreift. 539 Tage war er weg. 539 Tage voller Reha, Schmerz, zweiter Operation. Jetzt steht er da, 36 Jahre alt, und läuft in der 81. Minute ein – als wäre nie etwas gewesen.

Ein schlag ins gesicht war der 21. september 2024

Damals noch Topstürmer, Hoffnungsträger, türkischer Nationalspieler. Ein Foul. Ein Kreuzbandriss. Und plötzlich war Schluss mit der Karriere? Nein. Sararer hat gekämpft. „Es war harte Arbeit mit viel Schweiß, Fleiß und Tränen“, sagt er. Die zweite Operation im Mai 2025 – Narbengewebe raus – hätte alles zunichte machen können. Stattdessen wurde sie zur Zäsur.

Kassel liegt in der Regionalliga-Südwest-Tabelle im Tabellenmittelfeld, die Spieler wirken verunsichert. Das 1:2 im Hessenpokal gegen Germania Ober-Roden nagt noch immer am Selbstvertrauen. Genau hier setzt Klingbeil an: Mit Sararer holt er einen Mann zurück, der schon in der Bundesliga für VfB Stuttgart und Greuther Fürth gespielt hat – und der weiß, wie man aus Tiefs wieder herauskommt.

15 Minuten, die mehr wert sind als drei punkte

15 Minuten, die mehr wert sind als drei punkte

Sararer spielt mitreißend. Ein Zuspiel, ein Dribbling, ein Laufduell gewonnen. Die 1.800 Fans im Auestadion ahnen: Das ist nicht nur ein Joker, das ist ein Signal. „Ich will nichts überstürzen“, sagt er, „aber ich traue mir 20, 30 Minuten zu.“ Sein Vertrag läuft noch bis Juni. Genug Zeit, um die Saison zu retten – und vielleicht auch die Karriere noch einmal neu zu starten.

Die Causa Sararer ist mehr als ein Comeback. Sie ist ein Lehrstück über Beharrlichkeit in einer Liga, in der Spieler oft nach zwei Niederlagen abgeschrieben werden. Wenn Kassel jetzt wieder nach oben schielt, dann nicht zuletzt, weil ein 36-Jähriger bewiesen hat: Man muss nur lange genug durchhalten – selbst wenn es 539 Tage dauert.